20
Weinessig — Birnen in einer säßen Brühe — Gebackenes —eine hohe Galerie von Fischen, vergoldet für ein Schauessen.Summa 16 Essen.
Ans diesem umfangreichen Küchenzettel steht kein einzigesfranzösisches Wort. Und so war es überhaupt in der »guten-allen Zeit vor dem dreißigjährigen Kriege, als Deutschland sicheines blühenden Wohlstandes erfreute. Damals wußte mannichts vou französischen Speisekarten. Daß es aber gerade da-mals eine hochentwickelte, echt deutsche Kochkunst gab,das beweisen die großartigen Gastmähler des 16. Jahrhunderts,die in geschmackvoller Anordnung, in Erlesenheit und Fülle derSpeisen allem Glänze der spateren Zeit mindestens gleichkamen.Solche Reichhaltigkeit der Speisekarte findet man nicht etwa nuran den Hosen der-Fürsten: anch in bürgerlichen Kreisen verstandman kostbare und reiche Mahle zu veranstalten. Dafür will ichnur ein Beispiel anführen, das ich der Güte des Herrn Land-gerichtsrats Brnns in Torgau verdanke. Im Jahre 1599 bot derRat der Stadt Torgau dem Herzog Friedrich Wilhelm vonSachsen-Weimar auf der Rats-Trinkstube eine »Gasterey-,wobei folgende »Essen auf die fürstliche Tafel gespeifet» wurden:
Erster gangk: Salat mit harten Eyern. Kalter Schincken.Gebrathen öhl. Gebraten Kalekntifchhan mit Pomeranzen vndCitronen. Grüne Fohrnunge heis. Gekochte Kapaunen mit Jngbervnd gerosten semmeln. Gebratene Rehkeule vnd Rephüner. Grünenlachs mit essig. Hasen Wilpert in feiner eyp. brühe. LebernPasteten. Ellritzen in der Jngber brühe. Mandel Torten. Jungeganz vnd gebraten Hasen. Lampsleisch mit Citronen. Gebratenlachsrücken und sors. In Comentgen Citronenblut vnd oliven.
Ander gangk: Gebraten Wildkeule in einer braunen brühe.Schmerlen nnnge heis. Schweinskops in d. Pasteten. Gebratenjunge hünner in Citronenbrühe. Ein Hirsch vonn mandeln ineinem schne. Perschen in bulter. Zibilen Torten. Gebraten Reh-rücken . . . mit mandeln vnd rosins. Roth. Krebs in Pfeffer.Zwey gebraten Lambsviertel an einander. Lachslnmmel in würz.Capern vnd oliven.
Dritter gangk: Barmefan kef. Creuz Kefe. Holendische