Druckschrift 
1 (1892) Die Erzdiöcese Köln im Mittelalter
Entstehung
Seite
459
Einzelbild herunterladen
 

mmä:

Engergau.

459

Nach Westen reichte der Gau bis an das Frankenland,,während im Osten der Salzbach in Werl ihn von denEngern schied.

Dieser östliche Theil des alten Westphalens hiessauch Angrien, Angerien, Engeren. Ervitte in pago Angro-rum (Seib. Urk. I. 24) a. 1027; Ervete in regione Angria.(S. U. I. 33.) Erzbischof Friedrich bestätigt dem StiftMeschcdc die Landdecanie in Angria (S. U. I. 35) a. 1001.Sosatie oppido Angrorum. (S. U. I. 76.) Das alte Stadt-siegel von Soest hat die Umschrift: vetus Angrorum oppidumu. s. w. Der pagus Angeren umfasste alsc das Land, dasvon Werl an östlich liegt und bis Brilon südwärts reicht.

Der südlichste, mit fränkischen Elementen gemischteTheil des Landes, die Gegend von Medebach, führte denNamen Engern nicht mehr, aber jenseits der Ostgrenzedes pagus wohnten auch noch Engern, deren Land alsEngernherescephe bezeichnet wird, wie auch nach demZeugniss von Erhard selbst Ostphalen eine Herrschaft ge-nannt wird.

Alle diese drei verschiedenen Gaue bildeten Theilevon Westphalen. Es heisst Werluha in pago Westfalon,Triburi (Drever bei Ruthen) in pago saxonico Westfala.In pago Westfalon lagen Trotmania, Mengide, Brala, Herc-bette, Ballevan etc.

In Bezug auf das ganze Land ist die allgemeine Be-zeichnung Sachsen, von dem das Westland, Westphaleneinen Theil ausmachte. Was wir als Angrien bezeichnetfanden, gehört allerdings als Ganzes zu Sachsen, aberein Theil davon liegt in Westphalen, ein anderer Theilim Angerlande.

Es ist merkwürdig, wie bei den Völkern sächsischenStammes die Neigung besteht, ihre Wohnsitze nach denHimmelsgegenden zu benennen. Wo der Franke die unter-scheidenden Merkmale in der Höhe oder Tiefe, der Grösse,dem Alter, der Lage an einem Fluss, auf einem Gebirge,in einem Gau suchte, scheint der Sachse nur auf den Standder Gestirne gesehen zu haben. So hatte er seine Nord-und Südlande, seine Oster- und Westergaue, seine Nord-,Süd-, Ost- und Westkirchen, seine Süd- und Nordbauer-schaften und in den Städten seine Ostern- und seineWesternpforten.

Diese Lieblingsbezeichnungen nahm er mit sich hin-über nach England und seine dortigen Nachkommen haben

SS!

«if