Druckschrift 
1 (1892) Die Erzdiöcese Köln im Mittelalter
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

VI. Das Alter der Pfarrkirchen.

29

vollzogen wurde. Wo die Erbrenten einer Kirche auseiner oder mehrern benachbarten Pfarreien bezogen werden,der Pfarrsprengel sich über mehrere Gebiete und Flüsseerstreckt, kann man immer auf ein hohes Alter schliessen.Wenn die Pfarre die nämliche Grenze wie die terra salicamit der dazu gehörigen Advocatia hat, dann ist die Kircheimmer aus einer frühern Hofkapelle hervorgegangenWichtig für die Altersbestimmung ist es, festzustellen, obdie Kirche einer andern eine bestimmte Recognitionzu geben hat. Auch auf die Entfernung dieser Kirchevon einer Haupt- oder andern Pfarrkirche, ihre etwaigeGerechtsame und besondern Gebräuche ist zu achten; be-gleichen geben alt bestehende Feste wie nicht minderihre Zahl, der Name des Heiligen auf den sie geweihtist und die Anzahl ihrer Filialen ein triftiges Beweis-material Es ist beachtenswerth, dass alte Kirchen aus-schliesslich ad collationem liberam ordinarii sind; nichtselten wurden sie bei Dotirung der Klöster von demBischöfe mit den Höfen, ihren Einkünften und Zehntenübertragen.

Durchgehends kann man annehmen, dass einige deralten Pfarrkirchen in der Kölner Diöcese aus den Zeitender Römer, die meisten aus der merovingischen und caro-lingischen Zeit herstammen.

Als das Heidenthum dem Christenthume weichenrnusste, wurden die alten Tempel der Römerzeit in christ-liche Kirchen verwandelt. Daher mag es auch kommen,dass mehrere unserer Pfarrkirchen dem h. Michael geweihtsind. Den Sieg des Christenthums über das Heidenthumdachte man sich gern unter dem Bilde des Triumphes desErzengels Michael über den Drachen. Daher stellte mansein Bild an die Stelle der Dämonen. Man untersucheaber, ehe man zu voreilig schliesst, ob die Kirchen, derenAlter man von den Römern herleitet, auch die andernKennzeichen des Alterthums haben. Man nehme Rücksichtauf die Sage der Angehörigen der Pfarre, man sehe, ob inder Nähe Spuren der Römer sind etc. In Dormagen trifftdies Alles so ziemlich ein. Dieselbe Vorsicht im Urtheilgilt auch für die Kirchen aus fränkischer Zeit; auch da,wo die Kirchen unzweifelhaft gewiss uralt sind, darf mannicht ausser Acht lassen, dass der ursprüngliche Bau meistein Holzbau war, auf dessen Grund sich meist erst späterein Steinbau erhob.

EmsmaSk

m