Druckschrift 
Der hohe Adel im Leben des mittelalterlichen Köln
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

Äi£i?2i:!

- ~ BS :':

18

8. Abhandlung: Aloys Schulte

Kl

tum aber auch in das Fahrwasser der bayrischen Politik. Wenndiese Gründe schon in Köln siegten, so waren sie noch mehr beiden übrigen nordwestdeutschen Bistümern vorhanden, und dieseGründe bestimmten die Kurie, eine im Mittelalter durchaus ab-gelehnte Politik einzuschlagen und eine ausgedehnte Kumulationmit Kurköln eintreten zu lassen. Nach voraufgegangener zwei-maliger Kumulation des Erzstiftes mit dem Bistum Paderborn setztdie dauernde sofort mit dem ersten Witteisbacher Ernst ein undendet mit dem letzten Kurfürsten, doch haben die beiden letztenaußer Köln nur das Bistum Münster noch besessen. Vier vonden Witteisbachern waren Herren dieses mächtigsten der Bistümergewesen, zwei Mal wurde die Folge unterbrochen. Weit mehrnoch war Hildesheim gefährdet und hier schiebt sich in dieReihenfolge der Witteisbacher nur ein anderer ein. VierzigJahre hindurch war Bischof in Osnabrück, wo ein Katholikmit einem protestantischen Prinzen von Hannover abwechselte,Clemens August. Von 15811688 war Köln auch mit Lüttichverbunden. Paderborn war das nur zweimal, weiter kumu-lierten die Witteisbacher damit noch süddeutsche Bistümer. Sostark waren die Bayern mit diesen niederdeutschen Bistümernverbunden, daß noch heute in dem katholischen Adel die wittels-bachischen Vornamen Clemens, August, Max und Joseph ver-breitet sind, die zum Teil im wittelsbachischen Hause nichtmehr gebraucht werden.

Aber für die Stadt Köln hatte der Erzbischof lange nichtmehr die Bedeutung, die er im Mittelalter gehabt hatte. Nichteinmal für das religiöse Leben, denn die kirchliche Verwaltungleitete ein Generalvikar und die geistlichen Amtshandlungenvollzog ein Weihbischof. Schon längst war der erzbischöflichePalast in Köln verödet. 1674 wurde der verfallene erzbischöf-liche Saal abgebrochen.

Dieser Vorgang war begreiflich. Der letzte Erzbischof,der die mächtig emporstrebende Stadt niederzuzwingen ver-standen hatte, war Konrad von Hochstaden. Seine beiden Nach-folger waren in diesen Streitigkeiten weit unglücklicher unddie Schlacht von Worringen (1288) entschied dauernd die Selbst-