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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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über die fraglichen Weißenfelser Vorgänge, die der Verfasserbei seinen engen persönlichen Beziehungen zu Erfurt sicherlichbesten Gewährsmännern verdankt hat:

In der vasten des sulven Jahres [1385] do hadden de jodenene besammelinge in der stad Witzenveit des landes to Misen,dar se weren komen tosamende, als men sprak, van Jherusalem,van Rome unde van allen landen, se hadden grote vryheit be-holden van der herscap to donde nach erer wise, wat se wolden;ok hadden se geleide vry tho thende in deme lande, wor se wolden,unde jo wüste nemant, wat se menden edder wat se dreven. deswas beseten en arm hoveman bi deme slote, dat het Ghevekensten,bi Halle; de heet Claves Trote. in der tiid do se sik wolden scheden,do vorhelt he den joden unde vink se unde sloch se, unde nam denwiven in smide beter den uppe vif dusent mark, hir umme warthe geladen to reden, dat he ovelc haddc dan; he vorantworde datso, dat alle viande Godes weren sine viande; weren nu de jodenviandeGodes, so hadde he genomen dat gud sinen rechten vianden x )"

Wie wir hören, erzählte man sich also damals über die inWeißenfels zusammengeströmten fremden Juden allerlei, wasauf der Voraussetzung beruhte, daß sie tatsächlich von weitheraus dem Ausland herbeigeeilt waren: 'von Jerusalem, von Romund von allen Landen'. Das klingt ziemlich unbestimmt undübertreibend, kann aber der Wahrheit entsprochen haben.Denn internationale Rabbinersynoden universalen Umfangswaren im 14. Jahrhundert nichts Seltenes mehr 2 ). Jedenfallsmuß die Veranstaltung den Zeitgenossen als ungewöhnlich großund umfassend erschienen sein: der Bericht hebt hervor, daßbesondere Freiheits- und Geleitsbriefe den jüdischen Besucherndes Kongresses von der Landesherrschaft ausgestellt wordenwaren. Sicherlich sind demnach auch die Juden Spaniens her-vorragend daran beteiligt gewesen. Denn sie besaßen damals,

*) Die Chroniken der deutschen Städte: Lübeck, 1. Band, Leipzig1884, III. Detmar-Chronik, hrsg. v. Karl Koppmann, Nr. 850, S. 585:über Detmars Lebensumstände s. Koppmanns ebd. 2. Bd. (1899), S. XII;über das Verhältnis seiner Chronik zur sogenannten Rufus-Chronik undzur Chronica Novella des Hermann Korner ebd. S. XVH. und S. 196.Die obenstehende Nachricht ist wiederholt im ersten Teil der sogenanntenRufus-Chronik ebd. Bd. 2, S. 263, Nr. 850 und in Hermann KornersChronica Novella ed. J. Schwalm, Göttingen, Vandenhoeck undRuprecht1895, Fassung A, S. 81 Nr. 653.

2 ) Vgl. Stobbe, Die Juden in Deutschland, S. 146.