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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
345
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Der Personalkredit des lündl. Kleingrundbesitzcs in der Prov. Brandenburg. 345

Während des letzten Jahrzehnts, eine bedeutende Ausdehnung gewonnen undbildet gegenwärtig in den betreffenden Gegenden eine wesentliche Quelleder Einnahmen auch für die bäuerlichen Wirte. Außer dem Oderbruch,in dem schon seit langer Zeit der Zuckerrübenbau kultiviert wird, hatderselbe sich besonders auch in der Uckermark, auf den Höhenländereiendes Oberbarnimer und Künigsberger Kreises, in den Kreisen Ost- undWesthavelland, Ruppin, Zauch-Belzig, sowie in der Priegnitz und selbst ineinigen Teilen der Niedcrlausitz ausgebreitet. Die in neuester Zeit aufdem Gebiete des Zuckermarktes eingetretenen ungünstigeren Konjunkturenhaben bis jetzt eine erheblichere Einschränkung des Zuckerrübenbaues inden bäuerlichen Betrieben nicht herbeigeführt.

Wohl hat aber, wenn auch nicht in sehr bedeutendem Matze, eineEinschränkung des in der ganzen Provinz betriebenen, sonst sehr umfang-reichen Kartoffelbaues stattgefunden, soweit es sich hierbei um den Anbauvon Verkaufsware handelt. An dieser Einschränkung, die durch den in-folge der niedrigen Spirituspreise herbeigeführten geringen Konsum derSpiritusbrennereien hauptsächlich veranlaßt worden ist, haben die bäuer-lichen Wirtschaften jedoch in geringerer Weife wie die großen Güterpartizipiert.

Großindustrielle Etablissements der verschiedensten Art befinden sichin der Provinz Brandenburg bekanntlich in sehr bedeutender Zähl, undtragen dieselben ebenso wie die großen Städte der Provinz durch die großeAnziehungskraft, die sie auf die bäuerliche Arbeiterbevölkerung ausüben,nicht unwesentlich zu dem Arbeitermangel bei, unter dein schon seitlängerer Zeit die brandenburgische Landwirtschaft leidet. Wenn hievonauch hauptfächlich der landwirtfchaftliche Großbetrieb betroffen wird, somacht sich dieser Nachteil doch vielfach auch in den größeren bäuerlichenBetrieben recht empfindlich geltend.

Von den mit der Landwirtschaft in näherer Beziehung stehendenindustriellen Betrieben kommen zunächst besonders die in allen Teilender Provinz, aber hauptsächlich nur auf größeren Gütern befindlichenKartoffelspiritusbrennereien, deren Zahl, von 26 rein gewerblichen Be-trieben abgesehen, sich auf 551 belauft, in Betracht. Darunter befindensich fünf von bäuerlichen Wirten begründete refp. in deren Händen be-findliche Genofsenschaftsbrennereien.

Unter den Stärkefabriken der Provinz befinden sich neben einergrößeren Anzahl kleinerer und mittlerer, mit landwirtschaftlichen Betriebenverbundener Fabriten, an denen auch bäuerliche Besitzer entweder alsalleinige Eigentümer oder Mitbesitzer beteiligt sind, recht bedeutende