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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
343
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Der Personaliredit des ländl. Kleingrundbesitzes in der Prov. Brandenburg. 343

gerechtigkeit in den Forsten denselben jetzt fast durchweg entzogen ist oder,wo es noch nicht geschehen ist, demnächst entzogen wird.

Die Viehhaltung der bäuerlichen Wirtschaften hiesiger Provinz be-zweckt in den bei weitem meisten Fällen Aufzucht nebst Milchpruduktion;in diesen Betrieben wird die Milch auf Butter und Käse verarbeitet oderaber an die in der Nähe gelegenen Sammelmolkereien resp, an die inimmer größerer Zahl in der Provinz begründeten Genossenfchafts-Molkereien geliefert, von welchen letzteren die Magermilch den an-geschlossenen Betrieben behnfs Verwendung bei der Fütterung, namentlichzur Ernährung des Jungviehs, zurückgewährt wird. Aber in einergrößeren Anzahl bäuerlicher Betriebe in der Nähe Berlins sowie deranderen großen Städte der Provinz und auch in der Nähe der nachBerlin führenden Eisenbahnen bildet der Molkereibetrieb den Hauptzweckder Viehhaltung; in ihnen wird gar keine Aufzucht getrieben, vielmehrwerden nur srischmilchendc Kühe gekauft, die nach erfolgten: Abmelkendurch Veräußerung an den Schlächter verwertet werden, Mastvieh alsZweck der Viehhaltung findet in bäuerlichen Wirtschaften nur in wenigenGegenden der Provinz, hauptfächlich im Oderbruch, statt; sie hat hier inden einzelnen Netrieben zum Teil einen recht bedeutenden Umfang unddient besonders dazu, den Betriebsinhabern eine gute Verwertung desselbst gewonnenen Getreides zu ermöglichen. In den übrigen bäuerlichenBetrieben wird höchstens insoweit gemästet, als es sich darum handelt,die zur Aufzucht und Milchgewinnung nicht mehr geeigneten Tiere beimVerkauf besser zu verwerten; indessen verkaufen viele bäuerlichen Wirtedie abzustoßenden Tiere auch im mageren Zustande zum Zwecke derMästung an große Güter. In einigen Gegenden, wie namentlich ineinzelnen Orten der Priegnitz, hat sich in neuerer Zeit auch die Kälber-mästung zum Zweck der besseren Verwertung der Milch eingebürgert.Die Rindviehzucht der bäuerlichen Wirte hat infolge der in den letztenJahrzehnten zahlreich eingerichteten Zuchtstiergenosfenschaften und gleich-zeitigen Einführung wertvoller Zuchtstiere einen wesentlichen Aufschwunggenommen und zur Erhöhung der Wirtschaftseinnahmen ganz erheblichbeigetragen.

Neben der Rindviehhaltung, die, abgesehen von den kleinsten Be-trieben, fast in allen bäuerlichen Betrieben vorhanden ist, findet in vielenderselben, namentlich in der Priegnitz, Uckermark und Neumark, auchPferdezucht statt; indessen beschränkt sich dieselbe meistenteils nur ausdie Nachzucht der zur Gespannleistung gehaltenen Pferde. Für die