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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
332
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ZZ2 Okonomierat von Langsdorff.

in der Zahlung der Rechnungen gewöhnt und die Übersicht über dielaufenden Verpflichtungen verliert, mithin sich der Höhe seiner Ver-schuldung nicht klar bewußt wird, soweit dieselbe nicht durch hypothe-karischen Eintrag ziffermäßig ersichtlich gemacht ist.

Es ist nicht möglich, sich von der Höhe der so entstandenenHand-schulden" ein auch nur annähernd richtiges Bild zu machen, da dieselbensich jeglicher Kontrolle entziehen und nur in einzelnen Fallen klarer zuTage treten, bei Erbschaftsregulierungen oder wenn die Zahlungssäumig-keit für die Ungeduld eines Gläubigers zu groß wird. Unzweifelhaft habendiefe Handfchulden in den letzten, der Landwirtschaft fo ungünstigenJahren, nachdem die in früherer Zeit gemachten Ersparnisse aufgezehrtsind, eine stete Steigerung erfahren und mit Recht die Befürchtung wach-gerufen, es möchten viele Landwirte die richtigen Mittel zur Erhaltungihrer Zahlungsfähigkeit zu spät ergreifen. Mehr und mehr werdenKlagen aus der Mitte der Geschäftsleute, welche an Landwirte liefern,laut, daß die Ausstände bei denselben nach und nach eine für sie selbstbedrohliche Höhe erreicht haben; der Vorsitzende der Vereinigung säch-sischer Düngcrfirmen hat bei den Verhandlungen, welche der LandeskulturratZu Beginn des Jahres 1895 mit den Vertretern dieser Vereinigung behufsAbfchluffcs von Kontrollverträgen gepflogen hat, wiederholt als ein er-schwerendes Moment den Umstand hervorgehoben, daß die nichtbeglichenenForderungen der Mitglieder dieser Vereinigung an die sächsischen Land-Wirte die Höhe von 26 Millionen Mark erreicht haben.

Dieses Schuldverhältnis erhält die Landwirte in einer gewissen Ab-hängigkeit von ihren bisherigen Lieferanten. Es erschwert es ihnen, ihrenBedarf das nächste Mal von einer anderen Firma zu beziehen, und hindertsie, den Vorteil sich zunutze zu machen, der ihnen bei günstigerem An-gebot von anderer Seite erwachsen würde. Es ist das hauptsächlichsteHindernis für die Organisation des gemeinsamen Bezugs landwirtschaft-licher Bedarfsgegenstände und für die Bildung und Erhaltung von diesemZwecke dienenden Genossenschaften. Dadurch erklärt es sich zum großenTeil, daß im Königreich Sachfen nur eine geringe Anzahl von landwirt-schaftlichen Vezugsgenossenschaften besteht, zumal die beteiligten Händlerbei gegebener Anregung zur Neubildung solcher Genossenschaften einInteresse daran haben, Stimmung dagegen zu machen, wozu sich ihnen leichtGelegenheit bietet. Eine große Zahl dieser Händler ist gleichzeitig Getreide-,Dünge- und Futtermittel«, Kalk- und Kohlenhändler; der Landwirt,der seine Bedarfsgegenstände bei einem solchen Händler unter Inanspruch-nahme von Kredit gekauft hat, wird dadurch in die Zwangslage versetzt,