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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
331
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Der Peisonalkredii des ländlichen Grundbesitzes im Konissreich Sachsen. 331

3. Unzulänglichkeit der bestehenden Einrichtungen.

So groß die Zahl der im Verlauf der Zeit entstandenen, in vor-stehender Übersicht aufgezahlten Einrichtungen ist, so genügen dieselbendoch nicht, um den Personaltredit des Landwirts als ausreichend organi-siert erscheinen zu lassen.

Vielfach wird zwar noch in Abrede gestellt, daß ein lebhaftes Be-dürfnis hiernach vorhanden fei; thatsächlich hat sich auch an manchenOrten ergeben, daß von getroffenen Einrichtungen ein zu geringer Ge-brauch gemacht wurde, als daß dieselben lebensfähig gewefen waren. Alseine der vielen Urfachen diefer Erscheinung kann hervorgehoben werden,daß da und dort insbefondere unter den mittleren Landwirten — aus derZeit der früheren Blüte der sächsischen Landwirtschaft infolge der un-geteilten Erhaltung des Besitzstandes, sparsamer Lebensweise und über-wiegender Benutzung der Familienangehörigen zu den Dienstleistungen beimWirtschaftsbetrieb — sich noch ansehnliche Kapitalvorräte erhalten haben,welche am liebsten und deshalb zu den nach allen Richtungen an-genehmsten und günstigsten Bedingungen an verwandte oder befreundeteVerufsgenoffen verliehen werden, fei es, weil dadurch die wenigstenWeitläufigkeiten entstehen, sei es aus verwandtschaftlichen oder freund-schaftlichen Rücksichten oder sei es auch nur, weil man hofft, auf solcheWeife das Vorhandensein dieser Kapitalien am längsten der Kenntnisder Steuerbehörde zu entziehen.

Häufiger jedoch ist die Ursache ungenügende Kenntnis von dem vor-handenen Grade der thatsächlichen Verfchuldung, von den Vorteilen,welche die Befreiung davon darbietet, und von der geringen Schwierig-keit, welche einer folchen bei Benutzung einer entsprechenden Organisationentgegensteht. Eingehende Kenntnis hiervon zu nehmen wird demLandwirt in hohem Grade dadurch erschwert, daß es ihm er-möglicht wird, seine Bedarfsgegenstände für den Wirtschaftsbetrieb ohneBarzahlung zu beziehen. Seine Handwerker (Stellmacher, Sattler,Tifchler, Schmied, Schlosser, Scharwerkcr 2c.) arbeiten auf Rechnung;die Lieferanten von Düngemitteln, Futtermitteln, Saatgut, Vieh, Gerät-fchaften gewähren gern Kredit, bieten folchen fogar Von selbst an, umeinen Abschluß zu machen, und lassen ihn bei Landwirten, die ihnen sichersind, gern länger stehen, als es diese nötig haben, um dadurch in fort-dauernder Geschäftsverbindung mit ihnen zu bleiben und zugleich den Genußeines höheren Zinsfußes zu haben, als bei vorübergehender anderweiterKapitalanlage. So kommt es, daß der Landwirt sich an UnPünktlichkeit