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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
Seite
XXXIX
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Einleitung. XXXIX

indogermanischen und gemeineuropäischen Tenues k t p entstandenen harten(ohne Stimmton, d. h. ohne Schwingen der Stimmbänder des Kehlkopfes ge-bildeten) Reibelaute h f> f sowie der aus dem Indogermanischen unverändertererbte harte Reibelaut s wandelten sich im Wortinnern zwischen stimmhaftenLauten in dem Falle zu weichen und stimmhaften, d. h, zu y I 8 z (weichems), wenn der unmittelbar vorhergehende Vokal in der indogermanischen Grund-sprache nicht den Hauptton trug; später aber im Hochdeutschen wurden sieweiche Verschlußlaute (Mediae), woraus dann durch die zweite Lautverschiebungim Althochdeutschen neue Tenues (k t p) und r hervorgingen. Die alte indo-germanische Betonung war noch frei, d. h. der Akzent war noch nicht anbestimmte Silben gebunden, sondern konnte auf allen Silben stehen. DasAltindische zeigt uns in den ältesten heiligen Texten von den Handschriftenüberlieferte Akzente, die nach der Darstellung der indischen Grammatiker frei-lich nur noch eine musikalische Bedeutung hatten, also Höhe oder Tiefe desTons bezeichneten. Aber immerhin vermögen wir, wie zuerst TheodorBenfey nachdrücklich erwies, daraus weitgehende Rückschlüsse auf die Be-tonung der indogermanischen Grundsprache zu ziehen, die zweifellos aucheinen exspiratorischen Akzent (Starkton und Schwachton) besaß. Auch dasGriechische hat in seiner vorwiegend musikalischen Betonung einzelne Resteder ursprachlichen Betonung bewahrt, hat aber den Akzent an eine der letztendrei Silben des Wortes gebunden. Jene von Verner für das Urgermanischeermittelten Erweichungen der harten Reibelaute traten in Fällen ein, wo unsdas Griechische noch teilweise, das Altindische durchweg die Kontrolle deralten Akzentuierung erlaubt: got. broßar entspricht einem auf der Stammsilbebetonten griech. <ppäta>p, altind. bhrata (Stamm bhrätar), hingegen got. fadardem Endbetonung tragenden griech. narfjp, altind. pita (Stamm pitar), und imAltindischen haben die Plurale und die Partizipien der Perfekta, also dieVerbalformen, die in den germanischen Sprachen den grammatischen Wechsel,d. h. die Über-Verschiebung des die Wurzel schließenden Konsonanten auf-weisen, gleichfalls Betonung der Endungen.

Gegenüber Jacob Grimms Beurteilung des Gotischen schuf VernersEntdeckung einen unbedingt sichern neuen Standpunkt: im Gotischenfehlt jener nunmehr als Reflex urältester grundsprachlicher Betonung er-wiesene grammatische Wechsel bis auf geringe Reste, wie patf paiirbum ('ichdarf, 'wir dürfen'), und vereinzelte Spuren in der Wortbildung. Das Gotischeverlor also durch diesen Nachweis für seinen Konsonantenstand denNimbus der höchsten Altertümlichkeit: ist ihm ja doch an dieser Stelle jededer westgermanischen Sprachen, ja selbst noch unser modernes Deutsch,überlegen, das mit seinem 'ziehen', 'wir zogen' 'gezogen' vor der verarmten