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Einleitung zu dem Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Lachmann
Entstehung
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XXX
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XXX Einleitung.

gefordert hatte, die Sprache sowohl alsein organisches Ganzes" wie imZu-sammenhang mit der Individualität derer, die sie sprechen", zu erfassenunddie Kategorien zu finden, unter welche man die Eigentümlichkeiten einerSprache bringen könnte, um die Art aufzufinden, einen bestimmten Charakterirgend einer Sprache zu schildern" (an Schiller 14. September und 20. November1795). Scherer wollte Humboldts Meinung, die Lautform hänge als ein aufdie innere Geisteskraft sich beziehender Teil des menschlichen Organismusgenau mit der Gesamtanlage der Nation zusammen, durch exakte sprach-geschichtliche Untersuchung im Großen und im Einzelnen erhärten. Aber erwollte dabei zugleich Humboldts vorsichtige Einschränkung, die Art und dieGründe dieser Verbindung seien in kaum irgendeine Aufklärung erlaubendesDunkel gehüllt, durch die Tat widerlegen. Er wollte dieses Dunkel mit derLeuchte seiner physiologisch und psychologisch gerüsteten historischenSprachanalyse erhellen. Er hoffte, mit Humboldts Begriff derinneren Form"den von Winckelmann in den Vordergrund der Geschichtsbetrachtung ge-schobenen Stil-Begriff auf die Sprache anwenden, so die Eigentümlichkeit desGebrauchs der germanischen Sprachformen erfassen und zu einer Gesamt-ansicht des germanischen Nationalstils der Poesie und der germanischenSyntax emporsteigen zu können (Z. Gesch. d. deutschen Sprache 1868, S. 1711,2. Aufl. S. 212 f.).

Der vorzeitige große Anlauf geschichtsphilosophischer Spracherforschungmißlang, wenn auch die Faustische Kühnheit, die geniale Intuition und dergelehrte Scharfsinn dieses Versuchs für alle Zeit bewundernswert bleiben.Aber aus Scherers sprachgeschichtlicher Methode erwuchs eine neue wissen-schaftliche Richtung, die man sich gewöhnt hat die junggrammatischezu nennen, um unter diesem Namen Forscher verwandter, aber keineswegsdurchaus gleicher Auffassung zusammenzufassen. Jetzt erst war Jacob GrimmsSaat voll aufgegangen, nachdem die letzten Nebelwolken romantischer Sprach-anschauung verflogen schienen und endgültig eine entschlossene, auf klar ge-faßte Grundsätze sich stützende Methode das natürliche Werden der Spracheim Sinne einer historischen Erklärung ihres lautgesetzlichen Lebens zubegreifen suchte.