784 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
suchung zugrunde gelegten Kreis vom Durchmesser 14 in ein Rechteck zuverwandeln, das die Seiten 11 und 14 hat. Die geometrische Verwandlungdieses Rechtecks in ein Quadrat ist ihm aber unbekannt und er gebrauchtdaher einen sehr umständlichen Weg zu einem nur angenäherten Wertefür die Seite des gesuchten Quadrats. Daß dies Werk nicht ganz so selb-ständig verfaßt wurde, wie es vorgibt, bezeugt übrigens Reiner, Mönchvon St. Jakob zu Lüttich, der in seiner Biographie berichtet, daß Falchaln,der im Kloster zu St. Lorenz Leiter der Schule war, Franco hierbei wie beiseiner Schrift über die Fasten unterstützt habe.
Franco hat nachweislich lange Zeit seinem Amte vorgestanden, dennim Jahre 1066 unterzeichnet er als Scholasticus eine Urkunde Bischof Diet-wins von Lüttich und eine zweite Lütticher Urkunde, und Rudolf von St.Trondnennt ihn in seiner Geschichte dieses Klosters als gegenwärtig bei derAbtswahl, die am 11. August 1083 stattfand, wobei er ihn als den in hohemAlter stehenden Schulmeister zu St. Lambert bezeichnet. Während dieserZeit hat er das von Sigebert erwähnte Werk über die christliche Zeit-rechnung De ratione computi verfaßt, das verloren zu sein scheint. Außer-dem aber schrieb er wieder mit Unterstützung Falchalns De ieiunio quatuortemporum et ordinationibus quae fiunt in ipsis. Diese Schrift wird im Mittel-alter nur ganz selten erwähnt und wir wissen durch den Katalog desKlosters Gorze, daß sie ein Gedicht darstellte; man besaß sie noch 1460in der Lütticher Dombibliothek und eine Handschrift wird von Oudinuserwähnt. Vielleicht deutet Sigebert auf dieses Werk mit den Worten hin etalia quae ab aliis habentur. Außerdem bezieht sich der Katalog von Limogesauf eine Schrift De ligno trium foliorum ex quo facta est crux domini vonFranco. — Wir haben also in Franco einen Gelehrten und Schriftsteller,der in der Mathematik seiner Zeit wohl bewandert war und auch die Über-lieferung des Altertums kannte und außerdem einen Teil der christlichenWissenschaften beherrschte. Sein Stil entspricht dem gezierten Latein derLütticher Schule.
Zeugnisse. Zur Stellung Francos vgl. unten Sigebert und Aegidius, sowie Rodulfigesta abbat. Trudon. 2, 5 (MG. SS. 10, 237, 43) Affuit . . . et magnae vitae et nominis Franco■magister scolarum sancti Lamberti religiosus. Sigebert schreibt Chion. 1047 (MG. SS. 6, 358,51) Franco scolasticus Leodicensium et scientia litterarum morum probitate claret, qui adHerimannum archiepiscopum scripsit librum de quadratura circuli, de qua Aristoteles ait:Circuli quadratura si est scibile, scientia quidem non est, illud vero scibile est. Zum End-punkt von Adelmanns Tätigkeit in Lüttich vgl. A. Bittner, Wazo u. d. Schulen von Lüttich(Breslau 1879) S. 11 und n. 2, zum Antritt Francos S. 12. Cosmas äußert sich im Chron.Boem. 3, 59 (MG. SS. 9, 130, 39) O si mihi iam octogenario praeteritos deus referat annos, 1 )quibus olim Leodii sub Francone magistro tum grammaticae tum dialecticae artis in viretis[et] pratis mecum lusisti satis. Im SchriftstellerkatalogSigeberts heißt es c. 164(ed.Miraeusp. 156) Franco scholasticus Leodiensis religione et utraque litterarum scientia nominatus,quantum valuerit scribendo notificavit posteris. Amatores scientiae saecularis taxent einsscientiam ex libro quem scripsit ad Hermannum Coloniae archiepiscopum de quadraturacirculi, de qua Aristoteles ait: Quadratura circuli, si est scibile, scientia quidem nondum est,illud vero scibile. Conferant vel etiam praeferant eum saecidares philosophis. Nos laudamuseum, quia divinae scripturae invigilavit et plura scripsit ut de ratione computi librum unumet alia quae ab aliis habentur. Aegidius von Oval schreibt in den Gesta episc. Leodiensiuni3, 1 die Nachricht Sigeberts in der Chronik zu 1047 mit ganz kleinen Veränderungen wörtlichab und setzt nur ans Ende die Worte Quem librum apud nos haberi non est dubium (MG.SS. 25, 79, 16 ff.).
l ) Nach Verg. Aen. 8, 560.