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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Sechster Abschnitt.

Die Fächer des Quadriviums.

Wir hatten oben schon gesehen, daß bei der hohen autoritativen Gel-tung der überlieferten Schriften des Altertums in betreff der Fächerdes Quadriviums und bei dem Mangel an wirklicher Berührung mit dergriechischen Wissenschaft an eine tiefer gehende, selbständige Beschäfti-gung mit diesen Fächern nicht zu denken war. Erst hochgebildete Geisterwie Gerbert, Fulbert und Hermann von Reichenau haben hier durch ihrwissenschaftliches Eindringen in die zur Mathematik gehörigen Fächer, dasdurch reichere, ihnen zu Gebote stehende Bücherschätze ermöglicht wurde,einen Wandel geschaffen, aber doch mehr für ihre eigne Person und fürihre engsten Kreise, als daß ihre Forschungen von vielen hätten verstandenwerden können. Die Mathematik und die von ihr abhängenden Wissen-schaften sind wohl für die meisten Kleriker ein Buch mit sieben Siegelngeblieben, wenn man von der praktisch notwendigen Kenntnis des Kom-putus und von den Elementen der Musik absieht. Daher kommt es, daßdiese wissenschaftliche Literatur überhaupt nicht viel Verbreitung und nochweniger Pflege fand. Und so ist die Ausbeute in unserem Zeitraum geringgenug. Und dasselbe gilt von den eigentlichen Naturwissenschaften undin noch höherem Grade von der Philosophie. Die Beschäftigung mit jenenwar ja ganz von den dilettantischen und mit Aberglauben erfüllten Schriftender Römer abhängig und konnte wegen des dem mittelalterlichen Menschenfehlenden Sinnes für exakte Beobachtung nicht gedeihen. Und mit derPhilosophie war doch damals stets der Gedanke an Häresie verbunden, dasie zu sehr in heidnischen Stiefeln steckte und das christliche Gewissenbeunruhigte. Damit hängt es zusammen, daß doch auch die philosophischenSchriften des vielbewunderten Cicero erst sehr spät sich einer eigentlichenVerbreitung erfreuen konnten. Etwas anderes war es mit Boethius, er warChrist und sein Buch De consolatione philosophiae konnte in vielen Stückenchristlich aufgefaßt werden und wurde auch in diesem Sinne erklärt. Undder gefälschte Briefwechsel mit Paulus brachte auch dem Seneca einen ge-wissen christlichen Schein. Sonst begnügte man sich mit dem, was Augustinim Gottesstaat für und wider die Philosophie geschrieben hatte; an eineWeiterbildung dieser Disziplin war vor dem Bekanntwerden des Aristotelesnicht zu denken.

Wir übersehen hier also zunächst die mathematischen Fächer und dieMusik, sodann das wenige, was in den Naturwissenschaften und der Philo-sophie (einschließlich Pädagogik) geleistet wurde. Einen kurzen Abriß des