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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Vierter Abschnitt.

Die Dichtung.

Im vorigen Abschnitt hatten wir den Heiligenroman besprochen und ihnals eine Art Dichtung bezeichnen können. Er leitet daher von der Ge-schichtschreibung zur eigentlichen Dichtung hinüber. Im vorigen Zeitraumwar gemäß der gesamten Kulturlage entschieden ein Rückschritt in derpoetischen Tätigkeit während der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zubeobachten. Auch an den größeren Kulturzentren war sie mehr oder wenigerverstummt. Es fehlte jetzt an dem die höheren Geister einigenden karo-lingischen Hofe, der gerade für die Entwicklung der Dichtung eine ungemeingroße Förderung gebracht hatte. In unserem Zeitraum treten die könig-lichen Höfe zurück gegen die Bischofshöfe, die geistlichen Fürsten über-nehmen in der Begünstigung der Poesie die Rolle der Laienfürsten. Aller-dings büßen alte Mittelpunkte der poetischen Produktion wie Reichenaunicht völlig ihren früheren Rang ein, aber sie werden doch jetzt von Lüttichund Trier, von Speier und Basel, von Würzburg, Bamberg und Regensburg,von Metz und Laon überholt. Damit ändert sich freilich auch das Gesamt-bild der Dichtung, ihr freier weltlicher Charakter, den sie vordem besaß,verliert sich und sie wird mehr geistlich und knüpft sich an die Vorstellungs-kreise innerhalb der Kirche an. Sie unterstellt sich sogar der praktischenTheologie, indem sie neben der lateinischen Versifikation biblischer Bücherauch deren deutsche Übertragung nicht verschmäht.

Natürlich nimmt auch in der früheren Zeit die geistliche und in denDienst der Kirche wie des Unterrichts gestellte Dichtung einen breitenRaum ein, da ja die lateinische Poesie nur vom Klerus gepflegt wurde.Aber sie steht jetzt weitaus an erster Stelle. Und zwar betrachten wir hierzuerst als Übergang vom Heiligenleben zur eigentlichen Dichtung die inVerse gebrachten hagiographischen Arbeiten, die metrischen Heiligenleben.Sie sind natürlich, soweit sie nicht Personen aus der jüngsten Vergangen-heit behandeln, von älteren Darstellungen in Prosa abhängig, die sie inVerse umsetzen. Solche Arbeiten sind Gerhards von Soissons Leben deshl. Romanus, Fridegod von Canterburys Bearbeitung von Aeddis Vita Wil-fridi, Walther von Speiers Gedicht über die Passio Christophori, WulstansLeben des hl. Svithun, Cosmas' Darstellung der Passion des Senesius undTheopompus, Angelram von St. Riquiers Vita Richarii, 1 ) Gualdos Bearbeitung

'HmVat. reg. 566 f. 2332 s. XI befinden ! dichte des Girald von Fleury, nämlich diesich (nach Pertz' Archiv d. Ges. f. ältere Translatio s. Benedicti et s. Scolasticae unddeutsche Geschichtskunde 12,293) einige Ge- | Versus eiusdem de s. Maria. Das erste kennt