Fünfter Abschnitt.
Die Fächer des Triviums.
Da der gelehrte Unterricht sich in die Fächer des Triviums schied, denendie des Quadriviums folgten, so möge diese Unterscheidung auch fürdie wissenschaftliche Produktion gelten. Wir beginnen also mit den Trivial-fächern Grammatik, Dialektik und Rhetorik, freilich ohne hier eine völligscharfe Unterscheidung vornehmen zu können, da manche von den in Be-tracht kommenden Werken diesen Teil der Artes liberales selbst miteinandervereinigen.
Der vorige Zeitraum war für unsere Fächer ungemein fruchtbar ge-wesen. Auf allen Gebieten der Philologie hatte ein sehr reges Leben ge-herrscht. Vor allem waren mit Hilfe der alten grammatischen Literaturmehrere neue Erklärungen zu Donat entstanden, es waren neue grammatischesowie prosodische und metrische Werke geschrieben worden, die Kritik deralten Autoren war auf eine höhere Stufe gehoben und die Autoren selbsthatten durch Männer wie Johannes Scottus und Remigius Kommentareerhalten, die teilweise die philologische Tätigkeit des ganzen späteren Mittel-alters noch befruchteten. Außerdem hatte die Florilegienliteratur eingesetzt,indem Auszüge aller Art aus heidnischen und christlichen Schriftstellernzu verschiedenartigen Zwecken veranstaltet wurden. Das alles kam derGrammatik zugute, die also in der karolingischen Zeit eine wirkliche Nach-blute erlebt hat. Und wenn man noch das Abschreiben der alten Literaturin Betracht zieht, das damals mit verbesserten Mitteln der inneren undder äußeren Technik geschah, so kann man sich nicht wundern, daß ebendie karolingische Zeit für die Erhaltung der römischen Literatur beinahealles getan hat. Nur bei ganz wenig Schriftstellern sind wir imstande, inder Überlieferung auf eine noch frühere Zeit zu gelangen. Von diesenSchätzen hat natürlich unsere Periode reichlich gezehrt und da sie über-haupt solche vorfand, so hat sie sich vielfach der Mühe überhoben, eigneUntersuchungen anzustellen oder die Forschungen der Vergangenheit weiter-zuführen und zu ergänzen. So sind die Arbeiten in der eigentlichenGrammatik sehr gering und von großen lexikographischen Werken ist nureines zu erwähnen, da ein andres hier aufzuführendes noch der Vorzeit an-gehört. Abbo von Fleury schrieb ein kleines Buch Quaestiones grammaticae,in dem er einige wenige grammatische Fragen berührte. Der nicht näherbekannte Mönch Gautbert verfaßte eine kleine Schrift über die Herleitungder grammatischen Studien vom 7. bis zum 10. Jahrhundert, und das istvielleicht der Gozbert gewesen, der einen ganz kurzen Auszug aus Priscian