Zweiter Abschnitt.
Geschichtschreibung.
Der mächtige Aufschwung, den das Frankenreich unter Karl dem Großenerlebte, war besonders der Geschichtschreibung zugute gekommen: wirfanden im vorigen Zeitraum mehrere ausgezeichnete historiographische Werkeund neben den Ännalen, die allmählich von der dürftigsten Form teilweisezu breiter Darstellung übergegangen waren, bei Frechulf auch schon denBeginn der weltgeschichtlichen Erzählung. Und wenn man auch sagen muß,daß jeder Zweig karolingischer Geschichtschreibung an schon vorhandeneFormen anknüpfte, so setzte doch vielfach in diesen überlieferten Formenein neuer Inhalt ein, in dem sich das neue Werden deutlich aussprach. Aufdiesen Grundlagen baut nun unser Zeitraum weiter und je mannigfaltigerdie einzelnen Formen des staatlichen und kirchlichen Seins werden, um sovielgestaltiger wird die geschichtliche Darstellung. Da es angebracht scheint,bei unsrer Übersicht von den einfachsten Bildungen auszugehen, so be-ginnen wir mit der Klostergeschichte. Es war jedenfalls eine lockende Auf-gabe, eine Darstellung von den Ereignissen des Klosters zu schreiben, vondem Gründer und der Gründung zu melden, das Wachstum darzustellen,die Besuche fürstlicher Personen hervorzuheben und die Besitztümer auf-zuführen. So verfuhr Folcwin von Laubach (Lobbes), der es sich angelegensein ließ, die Geschichte der ihm unterstellten Klöster Laubach und Sithiu inmöglichst urkundlicher Gestalt vorzuführen. Die Geschicke des Klosters Fleurystellte Aimoin dar, es hat sich aber davon nur das Leben Abbos erhalten.Ademar von Chabannes gab die Geschichte des Klosters St. Martial zuLimoges und Arnold von St. Emmeram schrieb ein weitschichtiges Werküber die Ereignisse in seinem Kloster. Ein Trierer Kleriker behandelte imLiber de rebus Trevirensibus die Verhältnisse der Klöster Pfalzel undOeren und ein Brauweiler Mönch beschrieb die Gründungsgeschichte seinesKlosters. Von nicht geringem Werte sind dann einzelne Bistumsgeschichten.Bei der hohen Bedeutung der Bistümer in jenen Zeiten und dem weit-reichenden Einfluß vieler Erzstifter ist die Kenntnis ihres geschichtlichenWachstums und ihrer inneren Verhältnisse von hohem Interesse. Freilichnicht jede dieser Darstellungen gibt so ungemein reichen Stoff wie Flodoardin seiner Bearbeitung der Geschichte des Erzbistums Reims, die auf einersehr umfänglichen literarischen und urkundlichen Grundlage aufgebaut ist.Fast nur aus Stellen älterer Schriftsteller dagegen besteht die nur bis 667reichende Geschichte des Bistums Lüttich von Heriger, während dessenFortsetzung durch Anselm auf ein ausgeführtes Bild von der Tätigkeit des