Hermann von Reichenalt. 77 J
faßt ist das Gedicht, da Vs. 625 die erste Entthronung König Peters vonUngarn und 626 der Tod des Königs Ovo angeführt wird, innerhalb derJahre 1044 und 1046.
Zeugnisse. Zur Ueberschrift und zur Subskription vgl. die Ausgabe von Dümmler,Ztschr. f. deutsches Altertum 13, 385 und 431. Die Schlußverse inssit ... ipse Cantare .. . nieamicus, Ut allicere ego rithmicis studerem Odis perennem vosmet ad solidem .. . ipsa namque■Defessa eisdem de metris anhelo Iam iambicis nunc recreabo flatum Spirando paulum postquemuto rithmum Et qaod petistis anxie studebo Pro viribus pio iuvante Christo Cantare vestriprompta caritati. Zur Sittlichkeit in den Nonnenklöstern vgl. Herimanni Chron. 1021 und 1051sowie Berns Brief an Heinrich III (Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen 20, 202). Die Arbeitdes Lupus über die Metra des Boethius steht bei P e i p e r p. XXV—XX Villi. Archaismen: mis. 3.7.184. 1707. mi 7. psallier 15. cantarier 18. interfariernii. ollislb. 239. Seltne Worte homullus154. homullulus 665.') agariens 668. 2 ) popeUulusQ '45. homuncuhcs 1246. 1364. baburrus 1371.')telleus 1624. Deutche Worte Hup 41. Heriman 197. speccum 1110. Zum Tiradenreim vgl. 42ff.48ff. 703 ff. 715 ff. 767-774. 795 ff. 813-818. Unterlassene Elision 1326. 1423. Zur Bibelvgl. 1467 Nam Iacobns doemonicam Fidem hanc vocat vel mortuam (= Jak. 2, 20. 26). AusTerenz stammt 92 attat (Andr. 125), 287 Demens nescieras, quod mera veritas Gignat sepeodinm (Andr. 68), aus Horaz 381 linguae verbere saevae (Carm. 3, 12, 3), 719 venena Thessala(Carm. 1, 27, 21 f.) und 1326 sponsas cum eins permolet (Sat. 1, 2, 34f.) sowie 47 die age(Carm 2, 11, 22), aus Vergil 5 Auribus haust (Aen. 4, 359), 17 Et mi maxima cura (Aen. 1,678), 246 quae tibi tanta Fuit Wie causa morandi (Aen. 4, 51), 837 Hanc mille fallendi artibus(Aen. 7, 338). Zur Zeit der Abfassung vgl. Dümmler a. a. O. S. 432f. und Baxmann, Theol.Stud.u. Krit. 1869 S. 110 f. Einzige Handschrift Monac. 14689 s. XII (aus St. Emmeram) f. 25—37.Ausgabe von E. Dümmler, Ztschr. f. deutsch. Altertum 13, 385—431. Vgl. R. Baxmann,Theol. Stud. u. Krit. 1869 S. 103—118. Analyse des Inhalts bei Hansjakob a. a. O. S. 82-92.Wattenbach 2, 43 f.
2. Conflictus ovis et lini. Dies Gedicht wird vom Anon. Mellicensisdem Hermann beigelegt, während Hugo von Trimberg es ohne Namen desVerfassers anführt. E. Dümmler wies auf Flandern als auf das wahr-scheinliche Entstehungsland hin, doch hat F. Keutgen unverkennbare Be-ziehungen des Gedichts zu Schwaben nachgewiesen. Und trotzdem meintH. Bloch es Hermann absprechen zu müssen. Es hat folgenden Inhalt.Der Dichter erzählt, daß er einst an einem Felde gestanden und an demdort reifenden Flachs seine Freude gehabt habe. Da sei ein Streit aus-gebrochen, und diesen wolle er wiedererzählen. Nämlich ein Schaf, dassich von der Herde entfernt hatte, bearbeitete das Feld in tollen Sprüngenmit seinen Füßen und legte sich dann zum Wiederkäuen nieder. Da fingder Flachs an zu reden und beschwerte sich über das Gebaren des Tieres.Das Schaf entgegnete, der Lein müsse doch froh sein, wenigstens dazugebraucht zu werden, da er sonst keinen Nutzen habe. „Du hast dichdurch deine Worte als dummes Tier erwiesen," erwiderte der Lein,„befreie mich von deinem Fell, das gar bald unter die Schere kommt."Darauf hält das Schaf dem Lein vor, wie viele und unangenehme Ar-beiten er über sich ergehen lassen müsse, bis er dann endlich zur Flockeund zum Spiel der Winde werde. Der Lein wiederum sagt, daß erst durchviele Arbeit etwas zu erlangen sei, und führt dazu das Getreide, den Wein,die Bausteine und das Holz an. 4 ) Und wie viele Qualen müsse die Wolleerdulden, ehe sie vom Färber komme. Dagegen rühmt das Schaf von sich,daß seine Milch und der aus ihm bereitete Käse sowie die Butter dem
') Aus Priscian Inst. 3,34.
2 ) AusMartianus Cap. 1,2 (p. 1,22 Eyss.)
3 ) Isid. Et. 10, 71 (Placidi gl. 13,5).
4 ) Zuletzt Vs. 71 Vis pressura cruces tor-menta pericula mortes Praemia promeritaspurificant animas.
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