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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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772 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Menschen außerordentlichen Nutzen bereiten. 1 ) Der Lein meint hierzu, daßdie Welt auch ohne die Nahrung und Kleidung, die das Schaf biete, be-stehen könne, aber ohne Leinwand könne kein Mensch sein. Und das Leinentrage der Mensch unmittelbar am Körper, während er seine Kleidung ausWolle allem Wetter und der Kälte wie der Glut des Sommers aussetze;so könne sich der Lein den Herrn des Schafes nennen. Das Schaf machthiergegen geltend, daß es allein unter den Tieren ein Vließ besitze und daßder Nutzen der Wolle außerordentlich groß sei; es zählt darauf eine ganzeReihe von Zubereitungsweisen der Wolle in den verschiedenen Ländernauf, wobei es auf Britannien, Gallien, 2 ) Flandern und Deutschland kommt,wo die rheinischen und schwäbischen Landschaften sowie besonders dasDonaugebiet genannt werden. Der Lein wiederum ist stolz auf die eineFarbe des Linnens und rühmt dessen verschiedenartigen Gebrauch, 3 ) wobeiam Ende des Zwirnes gedacht wird, mit dem die Stücke wollenen Stoffesvernäht und alle Risse in den Wollkleidern ausgebessert werden. Hierauferwidert das Schaf, daß die Geistlichkeit nicht leinene, sondern wolleneUnterkleider trage. Und wenn es keine Bücher gebe zum Pergamentwurde nämlich auch Schafleder zubereitet,.so müsse die Kirche auf-hören, und es würde dann weder Taufe noch Begräbnis, weder Bischöfenoch Papst, weder Synode noch kirchliche Stände geben. Und nur dasSchaf trage dazu bei, 4 ) daß man von griechischer Wissenschaft, von Ägypternund Assyriern und von der Geschichte seit Adam etwas wisse, daß man etwasdavon erfahre, was Phöbus die Musen und was die Musen die Dichterlehren, und nach welchen Gesetzen die Sterne und der Himmel sich be-wegen, ja was Gott selbst sei. Das alles wisse die Menschheit nur durchdas Schaf, dem sogar die Geheimnisse Gottes bekannt seien. Und welcheFreuden brächten die Därme des Schafes dem Menschen als Saiten! Denndie Musik vertreibt die Sorgen und sänftigt den Zorn und erleichtert dasbetrübte Herz. Und dabei ist nicht nur an Orpheus, Amphion, an dieMusen und Phöbus und Arion zu denken, denn auch die Heiligen liebendie Musik, wie von dem bekannt ist, der den Goliath erschlug. 5 ) Der Leinzieht dies etwas ins Lächerliche, indem er fragt, ob etwa die Stimme desSchafes schön klinge. Außerdem sei das Fell von Kälbern und Böckenfür das Pergament dienlicher, und man brauche nur in den Büchern Mosiszu lesen, um zu sehen, zu wie vielfachem Gebrauche Gott das Linnenfordere. Hieran schließt sich die Aufzählung der einzelnen linnenen Ge-wandstücke des jüdischen Priesters, wobei Isidor Et. 19, 21 stark benutztwird. Aber das Schaf weiß die Vorschriften Gottes aus den Büchern Mosisauch für sich geltend zu machen und ergeht sich dann in langer Aus-führung über die zehn ägyptischen Plagen nach Exod. 8 ff. und über dasdaran anknüpfende Osterlamm. Doch der Lein hebt die größere Heilig-keit des Neuen Bundes gegen das Alte Testament hervor und beruft sich

schlagen von Polstermöbeln, zu Bettvorhängenund Zelten, zum Kopfputz für die Frauen undbesonders zum Zwirn.

4 ) Nämlich vermittels des Pergaments.

5 ) Aehnlich Amarcius 1,439 Straverit utr/r andern pastoris funda Goliath.

*) Hier heißt es Vs. 121 Quas ovis et qualesmundo ferat utilitates, Nostra nee enumeratFlandria, si cupiat.

2 ) 179 quam quondam reteres dixere co-matam nach Oros. 6, 7, 1.

3 ) Zum Handtuch und Tischtuch, zum Ein-