Gerbert von Reims.
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Slaven sind uns Untertan."') Man sieht aus solchen Äußerungen, wie diejugendliche Romantik des Kaisers mit dem schwärmerischen Idealismusdes den Staatsmann unterdrückenden Gelehrten sich die Wage hielt. SolcheWorte mögen zur Zeit Karls des Großen nie gefallen sein, aber der jungeHerrscher, dessen Mutter eine Griechin gewesen, und der Gelehrte, der aneine völlige Wiedererneuerung der griechischen Studien glauben mochte,sprachen sie jetzt aus, trotzdem die große Staatenschöpfung Ottos I. wenigstensan ihrer Peripherie schon in den Fugen zitterte.
Gerbert befand sich damals beim Kaiser in Italien auf dessen zweitemRömerzuge und da hierbei Papst Gregor V. dem früher entsetzten Arnulfdas Erzbistum Reims zurückgab, so wurde Gerbert 998 zum Erzbischofvon Ravenna erhoben. Und nachdem Gregor V. am 18. Februar 999 ge-storben war, erfolgte unter Anwesenheit Ottos am 2. April die Inthroni-sation Gerberts als Silvester IL Der bedeutendste Gelehrte der Zeit warvom Kaiser aus Dankbarkeit und wegen der Gleichheit seiner politischenAnschauungen zum Papste erhoben worden. Freilich sind die politischenIdeale der beiden Häupter der Christenheit nicht verwirklicht worden: derWiederherstellung des christlichen, römischen Kaiserreichs und der Er-hebung Roms zu dessen Mittelpunkt widersprach die seit Jahrhundertenhiervon völlig divergierende Entwicklung der Geschichte unsres Erdteils.Schon die Loslösung Polens und Ungarns in kirchlicher Beziehung war einschwerer politischer Fehler gegen den Einheitsgedanken. Und als Romselbst dem Kaiser untreu wurde, starb dieser schon am 23. Januar 1002,und am 12. Mai 1003 folgte Silvester IL seinem kaiserlicher Schüler ins Grab.
Zeugnisse. Die Zeugnisse für Gerbert hat Bubnov, Gerberti op. math. p. 376—393bequem zusammengestellt, während A. Graf, Miti, Leggende e Superstizioni del medio evo 2,51—72 die legendenhaften Berichte des Mittelalters als Anhang zu La leggenda di un ponti-fice übersichtlich abgedruckt hat. Die wichtigste Quelle für Gerberts Leben bis 980 istRiebet- histor. üb. 3, 43—65 (ed. Waitz p. 99 — 109), wo in einem Zuge zusammenhängendüber ihn berichtet wird; und zwar ist Richers Werk dem Gerbert gewidmet, als er Erz-bischof von Reims war. Eingeführt wird Gerbert 3, 43 p. 99 Cui etiam ... ab ipsa divinitatedirectus est Gerbertus, magnl ingenii ac miri eloquii vir, quo postmoduni tota Gallia aesilucerna ardente vlbrabunda refuhit. Das Geburtsjahr steht nicht fest, da Richers chrono-logische Angaben unsicher sind, vgl. K. Schultess, Papst Silvester II. S. 9; erschlossenwerden kann es aus ep. 197 (p. 185 H.), wo Gerbert 997 von sich als Greis spricht (et quaeiuvenis Kmcupivi, senex contempsi) und ep. 208 (p. 196), wo er die Beschwerden seines Altersanführt Senectus mea michi diem minatur ultimum. Zur Chronologie für die Reise Borells s.M. Büdinger, Ueber Gerbeits wissenschaftl. u. polit. Stellung S. 18, dort auch S. 19ff. überHatto v. Vieh. Zu Guarin v. Cuxa s. ep. 45 p. 43 (984/985) Nunc Hispaniae prineipes adimus,fanüliaris nostri ubbatis Guarini adhortatione commoti; Havet p. 22 n. 3 hält es für möglich,daß Gerbert den Brief 28 zur Unterstützung der Christen in Jerusalem 2 ) auf die BitteGuarins geschrieben habe. Zu Warnerius s. ep. 17 p. 14 De multiplicatione et divisionenumerorum libellum a Ioseph Ispano 3 ) editum abbas Warnerius penes vos (nämlich Geraldv. Aurillac) reliquit, eins exemplar in commune rogamus (Anfang 984); jedenfalls war War-nerius hiernach Spanier, und da er auch Abt war, so wäre die Identität mit Guarin möglich.Zu Bonifilius s. ep. 25 p. 19 (Anfang 984) auetoritas vestri nominis me movet, cum ad videndumet alloquendum . .. et hoc diu negatum distiüit negata libertas. Ea cum dolore concessa . ..De multiplicatione et divisione numerorum Ioseph sapiens sententias quasdam edidit, easpater meus Adalbero . . . vestro studio habere cupit. Zu Lupitus v. Barcelona s. ep. 24 p. 19
') Nach C. Lux a a. O. S. 34—37 enthaltendiese hochtönenden Worte das politische Pro-gramm Gerberts.
*) p. 23 et quod armis nequis, consilio etopum auxilio subveni. Gerichtet ist das Schrei-
ben an die universalis aecclesia.
3 ) Zur Wichtigkeit dieses Werkes s. M.Cantor, Vorlesungen üb. Gesch. d. Math. 2 1,806 f.