Gerbert von Reims.
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von Gerberts Vorträgen einen Fehler begangen haben, denn Ohtric fandhier, daß Gerbert die Physik der Mathematik untergeordnet habe, und griffihn deshalb in seinen Vorträgen öffentlich an. Als nun Gerbert 980 im Ge-folge seines Erzbischofs nach Italien gekommen war, trafen sie in Paviamit Otto IL und Ohtric zusammen und fuhren mit dem Hof nach Ravenna,wo der Kaiser eine große Disputation der beiden Gelehrten veranstaltete,zu der sich eine Menge wißbegierige Kleriker einfanden, unter ihnen Erz-bischof Adalbero und der gelehrte Abt Adso von Montier-en-Der, der späterdem Gerbert durch Vermittlung Adalberos den Caesar zur Abschrift schickensollte und den Gerbert einige Jahre darauf wieder um Bücher bat. 1 ) DerKaiser war von der verschiedenen Auffassung der beiden Gelehrten überdie Philosophie längst in Kenntnis gesetzt und eröffnete die Disputationmit einer Ansprache, in der er Ohtric aufforderte, die Gerbertsche Ein-teilung der Philosophie vorzulegen. Das geschah und Gerbert erklärte nun,daß jene Niederschrift nicht korrekt sei, und beide Gelehrte offenbartendann ihre Ansichten über die Einteilung der Philosophie, wobei Gerbertsich als Anhänger Piatos auswies und Ansichten vorbrachte, die sich aufVictorinus und Boethius gründeten, 2 ) während Ohtric mehr eine freie Stel-lung einnahm. Der Kampf beider soll beinahe einen ganzen Tag gewährthaben, und da der Kaiser sah, daß die Anwesenden ermüdeten, so machteer dem Streit ein Ende. Gesiegt hatte jedenfalls keine Partei, doch zeigtesich Otto erkenntlich und beschenkte wahrscheinlich beide Gelehrte. 3 ) Gerbertscheint sich dann längere Zeit in der Umgebung des Kaisers befunden zuhaben, bis er zur Anerkennung für seine wissenschaftlichen Leistungen diewichtige Abtei Bobbio von ihm erhielt. Die hervorragende Büchersammlungdieses Klosters setzte ihn in den Stand, besonders mathematische Studienzu treiben, befand sich doch wohl damals dort der berühmte Cod. Arcerianus,dessen vielseitigen Inhalt der neue Abt für seine mathematischen Schriftenverwertet zu haben scheint. Doch die neue Stellung bereitete ihm in andrerBeziehung so viel Sorgen 1 ) und Mißgeschick, daß er Ende 983 Bobbio ver-ließ und über Pavia nach B,eims zurückkehrte. Jedenfalls war die deutsch-feindliche Politik der italienischen Großen ein Hauptgrund für diesen Ent-schluß, und Gerbert war, wie sein Erzbischof Adalbero, ein unbedingterAnhänger des Kaisers geworden: der Tod Ottos IL am 7. Dezember 983hat den Entschluß nur bekräftigt, denn Gerbert konnte damals noch nichtwissen, daß ihn bald die engsten Bande an den jungen König und an Italienfesseln würden. So kehrte er jetzt zu der früheren Tätigkeit in Reimszurück und war unausgesetzt beflissen, zu lehren, was er wußte, und zulernen, was er nicht wußte. 5 ) Aber die längste Zeit seiner Lehrtätigkeitwar vorbei, die Politik stand bald im Vordergrund.
Während nämlich Willigis von Mainz und Adalbero von Reims im Vereinmit Gerbert für die Regentschaft der Kaiserin Theophano eintraten, be-
') Vgl. ep. 8 p. 6 und ep. 81 p. 75 (Havet).
2 ) Vgl.besonders K.Werner, GerbertvonAurillac S. 50 f.
3 ) Richer Hist. 3, 65 p. 109 erzählt daszwar nur von Gerbert, aber er hat ja auchnur für Gerbert Interesse, wie aus seinem
Bericht klar hervorgeht.
4 ) Vgl. K. Werner, Gerbert S. 80 undHauck, Prot. Realencycl. 18,340. Schul-tess, Papst Silvester IL S. 27.
5 ) Vgl. ep. 44 p.42 ed. Havet.