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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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730 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

lonien, der ihm bedeutende Kenntnisse in der Mathematik beibrachte, waswohl in Bezug zur arabischen Nachbarschaft zu setzen ist. Gerbert trathier mit mehreren Gelehrten in nähere Verbindung, wie aus einigen seinerspäteren Briefe hervorgeht. So mit dem Abt Guarin von Cuxa, auf dessenBitte er gegen Ende 984 oder zu Anfang 985 sogar nach Spanien zurück-kehren wollte, wenn ihn nicht Theophano abgehalten hätte. Dieser Guarinist vielleicht identisch mit dem Abte Warnerius, der etwa ein Jahr zuvornach Aurillac gekommen war und dort ein Werk des Spaniers Joseph überMultiplikation und Division der Zahlen zurückgelassen hatte, das Gerbertbald darauf vom Abt Gerald von Aurillac sich in Abschrift erbat. Außer-dem hatte er Freundschaft mit Bonifilius, dem späteren Bischof von Gerona,geschlossen, den er ebenfalls bei seiner Rückkehr nach Spanien aufsuchenwollte. Aber weder scheint Gerald jene Abschrift geschickt zu haben, nochkonnte Gerbert seine Reise ausführen; so wandte sich Gerbert im Früh-jahr 984 an Bonifilius und bat ihn brieflich um Übersendung jenes mathe-matischen Werkes. Daß Gerbert es erhalten hat, ist nicht recht wahr-scheinlich, da sich sonst vielleicht eine Spur des Werkes hätte auffindenlassen. 1 ) Flüchtige Bekanntschaft scheint er damals auch mit dem späterenBischof Lupitus von Barcelona gemacht zu haben, denn 984 bittet er ihnbrieflich, ihm ein Werk über Astronomie zu übersenden, das Lupitus über-setzt hatte. 2 ) So führt Gerberts Aufenthalt in Spanien zwar nicht in diearabische Welt selbst hinein, wie man in späteren Jahrhunderten geglaubthat, sondern nur bis an deren Grenzen; aber es ist nicht zu leugnen, daßdie Wissenschaft der Araber Einfluß auf Gerbert ausgeübt hat, obwohl dieQuellen seiner mathematischen Schriften wohl sämtlich auf die griechisch-lateinische Wissenschaft führen.

Im Jahre 970 unternahmen Herzog Borell und Bischof Hatto eine Reisenach Rom in Begleitung Gerberts. Dieser wurde mit dem Papste bekannt,und Johann XIII. , der die zu jener Zeit in Italien höchst seltenen Kennt-nisse des jungen Klerikers in Mathematik, Musik und Astronomie schätzengelernt hatte, empfahl ihn an Kaiser Otto I. als Lehrer. Als Gerbert vorden Kaiser kam, fragte ihn dieser nach seiner Wissenschaft und erhieltzur Antwort, daß er in der Mathematik erfahren sei, in der Logik (Dia-lektik) aber noch lernen müsse. Da nun zu gleicher Zeit König Lothar vonWestfranken an Otto den Reimser Archidiakon Gerannus gesandt hatte,der damals der gewiegteste Dialektiker war, so erbat Gerbert vom Kaiserdie Erlaubnis, mit Gerannus nach Reims gehen zu dürfen. Er machte nundort unter Gera*nhus' Leitung große Fortschritte, so daß der ErzbischofAdalbero bald auf ihn aufmerksam wurde und ihn zum Lehrer an derDomschule bestimmte. Richer von St. Remi, der seinem Lehrer Gerbert be-sonders nahe stand, hat in seinem Geschichtswerk ziemlich eingehend Be-richt über die Ökonomie von Gerberts Lehrtätigkeit gegeben. Der Bericht

') M. Cantor, Vorlesungen üb. d. Gesch.d. Math. 2 1,806 leugnet mit Recht, daß dasWerk arabisch geschrieben gewesen sei. Eskann sich aber doch um die Uebersetzungeiner Schrift eines Arabers Jussuf handeln,

obwohl der Woitlaut (Gerb, epistolae ed. Ha-vet N. 17 p. 14 und N. 25 p. 20) das nichtergibt.

2 ) Hier handelt es sich ohne Zweifel umeine Uebersetzung aus dem Arabischen.