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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Die Fächer des Quadriviuma. Wichram von St. Gallen. 727

Komputus aus Schriften des Beda verfaßte der St.Gallener Mönch Wichram,der aber noch in den früheren Zeitraum gehört. Bedeutendes leistete Gerbertin der Praxis und Theorie der Mathematik, indem er mehrere Schriftenüber den Abacus (Rechentisch) verfaßte und über den Inhalt der Kugelsowie ein geometrisches Lehrbuch schrieb. Vor Gerbert noch waren zweiandre solche Lehrbücher entstanden und zwar die Ars geometrica wohlim 9. und die Geometria incerti auctoris wohl im 10. Jahrhundert; dieseist von Gerbert benutzt worden. Abbo von Fleury verfaßte einen Komputusund einen Kommentar zum CalculusVicturii. Notker von Lüttich gab einenKommentar zu Boethius Arithm. 2,1, Heriger von Laubach verfaßte eineSchrift über den Abacus und schrieb über die Verschiedenheit der Advents-berechnung in der Kirche. Adalbold von Utrecht richtete an Gerbert einenBrief mit geometrischem Inhalt, Fulbert von Chartres schrieb ein GedichtDe divisione Hbrae et partibus eius. Ragimbold und Rodolf setzten durcheinen erhaltenen mathematischen Briefwechsel die Belehrung fort, die siein der Schule von Chartres erhalten hatten. Besonders aber wirkte för-dernd auf dem mathematischen und astronomischen Gebiete Hermann vonReichenau. In mehreren Schriften verbreitete er sich über das Astrolabiumund schrieb einen Komputus. Ferner gab er eine Schrift De divisione her-aus, sodann stellte er den Confüctus rithmimachie dar und verbesserteBedas Berechnungen über den Mondmonat. Der Lütticher Lehrer Francoschrieb über die Quadratur des Kreises und der Konstanzer Lehrer Meinzosuchte den Kreisdurchmesser aus dem Umfang zu gewinnen. Abt Bern vonReichenau war besonders in der Musik tätig und verfaßte einen Tonariusund die Abhandlungen De varia psalmorum et cantuum modulatione undDe consona tonorum diversitate. Hermann von Reichenau gab eine Theorieder Musik heraus und vertonte mehrere Dichtungen. Guido von Arezzoendlich verfaßte einen Micrologus und schrieb mehrere musikalische Ab-handlungen, auch hat er die Vorstufe zu unsern heutigen Notenzeichenerfunden.

In den Naturwissenschaften dichtete, wie schon erwähnt, Odo vonMeung ein umfängliches Werk De viribus herbarum und Byrhtferth schriebgelehrte Kommentare zu Bedas chronologischen Schriften. Von der Philo-sophie ist nur zu erwähnen, daß Rather von Verona in seinen Praeloquiaeine Art Weltspiegel gab und daß König Stephan von Ungarn für seinenSohn Emerich ein kleines Erziehungsbuch schreiben ließ.

129. Wichram von St. Gallen.

Der Mönch Wichram von St. Gallen ist uns nicht weiter bekannt, dennes dürfte nicht leicht zu entscheiden sein, ob dieser Wichram, der Verfassereines katechetischen Komputus, mit dem in St. Gallischen Urkunden von860 bis 895 genannten Wichram ein und dieselbe Person ist, und ob derin jenen Urkunden erwähnte Name Wichram sich auf eine einzelne oderauf mehrere gleichnamige Personen bezieht. Braumüller hatte den imSangall. 260 p. 390 in einer Aufschrift Hartperts erwähnten Wichram mitdem Schreiber der Urkunde 860/61 gleichgesetzt und diesen als den Korn-