724 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
Sachs. Ges. d. Wiss. Phil.hist. Cl. 1903 S. 131f. und 153. Anderes vgl. bei Wilmanns, Rhein.Mus. 24, 379. Sehr groß ist die Zahl von Aufschriften in mittelalterlichen Katalogen, ichzählte in 55 Bibliotheken 73 Exemplare des Werkes, also nicht viel weniger, als GoetzS. 269 ff. heutige Hss. namhaft macht; die ältesten Erwähnungen stammen aus s. XII (CrepyBibl. de V6c. des cbartes 63, 484 N. 70 und Ona, Wiener SB. 128 XII N. 107). Am meisten wardas Werk vertreten in den päpstlichen Bibliotheken (achtmal) und in Canterbury (fünfmal).Die älteren Aufschriften geben meist nur den Namen Papias, im 13. Jahrhundert begegnetschon mater verborum und s. XIV — XV kommen die verschiedenartigsten Namen vor. Hss.gibt es gegen neunzig nach Goetz S. 268 ff., ihre Scheidung ist noch nicht vorgenommenworden; die meisten enthalten auch die Grammatik, die übrigens in den alten Aufschriftennur einmal erwähnt wird (Clairvaux 1472 bei Arb. de Jubainville, Abb. Cisterc. p.446). Diemittelalterlichen Bearbeitungen finden sich bei Amplonius 1412 (Schum, Die amplonian.Hss. S. 785) N. 1 Primo siquidem vocabularium secundum ordinem alphabeti sequens Papiamet breviter exponens vocabula latine et vulgariter 1 ) und in Peterborough s. XIV (Serapeum 13,Intelligenzblatt 33) Papias versifice. Ausgaben: Mailand 1476 (ed. pr.) per Dominicum deVespolate, daraus Venedig 1485 per Andream deBonetis dePapia, 1491 per Theodorum de rega-zionibus de asula, und 1496 per Philippum de pincis Mantuanum; vgl. Goetz S. 267f. «
Grammatik. Im Nachwort zum Lexikon heißt es f. 191a 2 gratias iam deo referimusqui . . . nostrum opus . . . licet per multorum annorum curricula ad finem tarnen usque per-duxit. Si tarnen adhuc ad eiusdem perfectionis cumulum 2 ) ex totius artis grammaticaeutilitate valde necessarium et ex compendio quam poterimus brevissimum apposuerimuslibellum . .. Pro quibus omnibus vos invito exoro etiam adiuro fratres mei ... hoc solum ...mihi rependatis ... quatenus ...ad aetema valeam pervenire gaudia. Vorwort zur Grammatikbei H. Hagen, Anecdota Helvetica CLXXX (aus Bern. 2 s. XIII f. 136 a2 ) Petistis a me,karissimi, ex arte grammatica vobis competentes regulas dari aut componi. Sed quia mul-torum maximeque ipslus Prisciani habeamus auctoritatem, non violenter 3 ) mihi arrogo, quodab aliis inventum approbo. Ipsius igitur Prisciani dispositionem summamque sequens alio-rumque, si quid dictum est, non rennuens, quam brevius potero, opus vestrae eruditionicomponam, necessaria non pretermittendo, siquid vero utile vobis et compendiosum mihi visumfuerit, intermiscendo. Isla vos ergo memoriae commendetis mentisque receptacülo quam firmiterteneatis ut ad vestri desiderii perfectum perfeclum i ) pervenire valeatis. Die Auszüge, dieHagen, Anecd. Helv. CLXXIXf. gab, sind aus Bern. 1 und 2 (s. XIII) sowie aus Bern.276s. XIII genommen. Vgl. auch Wilmanns, Rhein. Mus. 24, 362, wo S. 380 auch die Widmunggedruckt ist. Die Grammatik wird in der Mehrzahl der Hss. des Lexikons mit überliefert,so im Bern. 1 (aus Reims) s. XIII f. 175b—195b UI ,d 2 s. XIII f. 136a-152b. Vgl. GoetzS. 275. — Die früher dem Papias beigelegten Briefe (Eckstein, Allgem. Eucyclopädie) hatGoetz S. 275 jedenfalls mit Recht ihm abgesprochen, da hierunter entweder die Briefe inseinem Artikel Formatae epistolae f. 62b 1 oder die seinen beiden Werken vorangestelltenWidmungen zu verstehen sind. Hauptschrift von G. Goetz, Papias und seine Quellen inMünch. SB. Philos.Philol. u. hist. Klasse 1903 S. 267—286.
128. Walo von St. Arnulfs Briefe.
Schon ganz am Ende unsres Zeitraums steht der Abt Walo von St. Arnulf,der im Jahre 1073 Gregor VII. zu seiner Erhebung zum Papste in einemlängeren Briefe beglückwünschte, wobei er wichtige, für jene sonderbareWahl bezeichnende Tatsachen anführt und dem Papste das Horazwort ,«o»sine gloria militastx' entgegenruft. 5 ) Später geriet er in Streit mit dem Erz-bischof Manasse von Reims, der ihm die Abtei St. ßemi übertragen hatte,die Walo aber nicht annahm. In einem Briefe, der eine sehr deutlicheSprache redet, läßt er ihn das wissen und deutlicher wird er noch in einemzweiten Schreiben, wo er dem Erzbischof wegen der Wildheit seines Geistesund wegen seiner tierischen Sitten äußerst heftige Vorwürfe macht undihm mit dem im Mittelalter oft gebrauchten scharfen Juvenalwort ,phis
*) Ist Amplonian. Q 28 vom Jahr 1383." 2 ) So statt tumulum zu lesen.
3 ) So statt violentiam (bei Hagen) zu lesen.
4 ) Ist jedenfalls ein Versehen.
5 ) Carm. 3,26.2. In diesem Schreiben be-nutzt er auch einen Vergilvers (Mabillon,Vetera analecta 2 1,455) revocaregradum supe-1-asque adauraspossim emergere = Aen. 6,128.