722 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
Stellen ausgehoben werden. Juvenal wird mehrfach angeführt und zwarwerden hierzu auch Scholien benutzt. Seltener erscheinen Horaz, LucanPersius, Martial und Terenz, einmal als einzelne Seltenheit auch Senecas 1 )Tragödien (Herc. 173—175). Von christlichen Dichtern wird Prudentius neben
der Nennung seines Dittochaeon zweimal angeführt, Sedulius einmal. __
Wenn nun auch bei weitem die meisten Artikel auf ihre Quellen zurück-geführt werden können, so bleiben doch nicht wenige übrig, für die unswenigstens die gedruckte Quelle bisher fehlt. Goetz hat daher im The-saurus glossarum nicht selten auf Papias aufmerksam gemacht und späternoch eine kleine Anzahl Orte zusammengestellt. 2 ) Hier ließe sich aber nochmanches hinzufügen, was mindestens für die Geschichte der Glossographievon Wichtigkeit sein könnte, vielleicht aber auch an sich von einigem Inter-esse wäre; freilich liegt die Gefahr immer nahe, daß das eine oder andereStück schon im Liber glossarum enthalten ist. Ohne Zweifel ist das Lexikon,das Papias zusammengestellt hat, eine für ihre Zeit beträchtliche Arbeitgewesen. Besonders aber wurde das Werk für die Zukunft wichtig, dennes ist eine Hauptquelle für die spätere Lexikographie gewesen, ist sehrhäutig abgeschrieben worden und hat Jahrhunderte in hohem Ansehen ge-standen. Daher wurde es auch Veränderungen unterworfen, wie sich eineverkürzte Bearbeitung erhielt, die die Erklärungen lateinisch und deutschgibt. Und im englischen Kloster Peterborough besaß man sogar eine poe-tische Bearbeitung des Werkes, also ein sprachliches Lehrgedicht.
Grammatik. Mit dieser Arbeit hat sich aber Papias nicht begnügt.In dem ihr angehängten Nachwort dankt er nämlich zunächst Gott, daßer ihn die große Arbeit, habe vollenden lassen, und sagt, daß er, um dieVollendung zu krönen, einen notwendigen und möglichst kurzen Auszugaus der ganzen Grammatik zum schnellen Gebrauch des Lesers hinzu-gefügt habe. Aus dem Vorwort der Grammatik aber geht hervor, daßseine Söhne ihn auch um Abfassung dieses Werkes gebeten hatten. „ Weilwir aber, heißt es, hierin die Geltung vieler, besonders Priscians besitzen,so will ich mir nicht gewaltsam das anmaßen, was von anderen stammt.Ich folge also der Anordnung und dem Inhalt von Priscians Werk undverschmähe auch das nicht, was andere vorgebracht haben. So habe ichfür euch in aller Kürze ein Buch zusammengestellt, in dem das Wichtigenirgends übergangen und das Nützliche hineingemischt worden ist." —Dievon Hagen aus der Grammatik gegebenen Auszüge lassen erkennen, daßsich Papias fast nur mit einem sehr kurzen Auszug aus Priscian begnügthat und seinem Vorbilde sowohl nach Inhalt wie Stoff getreu folgt. Nurselten weicht er in nebensächlichen Dingen von ihm ab und er wird hierzudie nämlichen Quellen gebrauchen, die oben neben Priscian für das Lexikonnamhaft gemacht sind, zu dem die Grammatik jedenfalls als eine Ergänzungfür den Unterricht anzusehen ist. Man findet also weder hier wie dort denVerfasser selbständig vorgehen, aber beide Werke bezeugen doch, daßPapias eine nicht geringe Summe von Wissen seiner Zeit umfaßte und in
') 142 b2 Rabula etiam patronus causarumde quo Seneca in prima tragoedia hie clamosirabiosa feri iwgia vendens improbus iras et
verbo (!) locat.
2 ) Miinch. SB. 1903 S. 284 f.