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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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716 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

und ihre Anhänger geurteilt wird; das geschieht allerdings noch durchausin der Weise der vorgregorianischen Zeit, und es ergibt sich daraus deutlichdaß die kleine Schrift etwa noch in der Mitte des 11. Jahrhunderts ent-standen ist. Und es ist doch zu bedenken, daß der sittliche Ton des Werk-chens sich mehrfach mit den Satiren des Amarcius berührt, die ja auchmit Speier in Zusammenhang stehen und wohl aus gleicher Zeit stammen.Freilich sind die Einzelheiten bei weitem nicht so klar herausgearbeitetwie bei Amarcius, aber manches aus dem Leben der Zeit steht doch leib-haft vor den Augen des Lesers. Mit dieser Darstellung begnügte sich Onulfaber nicht, vielmehr wandte er sich in einem zweiten Teile auch zur poeti-schen Bearbeitung des Stoffes, die bedeutend kürzer als die Prosa öfterals ein Auszug aus ihr erscheint. Sie enthält aber auch selbständige Ge-danken und ist unter Wahrung der Form der Anrede an den Freundvielfach in monostichischen Sentenzen abgefaßt. Einige Abwechselung inden verhältnismäßig trockenen Ton des Gedichts hat der Verfasser durchhäufige Anwendung der rhetorischen Frage zu bringen gesucht. OnulfsSprache in der Prosa ist im ganzen gewandt, freilich fehlt es ihr nichtan der Künstelei und Überladenheit der Zeit, zumal sich Onulf durch sehrstarke Anwendung der Reimprosa sprachlich vielfach die Hände bindet;übrigens sind die antiken Muster auch außerhalb der aus der Rhetorica adHerennium genommenen Stellen vielfach zu erkennen. Die Hexameter deszweiten Teils sind meist korrekt gebaut, zeigen aber durch die asyndetischeHäufung und Gegenüberstellung der Subjekte und Prädikate x ) deutlich dieSpuren der späteren Verskünstelei; an einer Stelle 2 ) sind sie sogar ana-zyklisch gebaut, was mit der dort vorgeführten Conduplicatio zusammenhängt.So legt das kleine Werk deutlich Zeugnis von den tüchtigen Studien derSpeierer Schule ab.

Zeugnisse. Nur die Subskription ergibt den Verfasser und den Titel Finiunt rethoricicolores ab Onulfo Spirensi magistro beatae memoria« editi; aus dem Wortlaut geht aberhervor, daß die Handschrift an einem Orte geschrieben wurde, wo Onulf bekannt war, d.h.wohl aus Speier selbst stammte. Die Zeit ergibt sich einerseits aus dem Alter der Hand-schrift nach Wattenbach S. 8 Beginn des 12. Jahrhunderts und andererseits daraus,daß der Streit zwischen Kaiser und Papst noch nicht entbrannt war; so kommt man etwain die Mitte des 11. Jahrhunderts oder wenig später. Zur Bitte des Freundes vgl. 1, 13S. 14 exerceri laboras faciendis versibus et prosis 3 ) et his quos requiris coloribus; das Worthis zeigt, daß der Freund ihn darum ersucht hatte, und nicht, wie Wattenbach S. 3 meint,um eine Schrift, die Onulf ihm nicht verschaffen konnte; vgl. auch 2, 12. 13, 11 auctoristibi rethoricosque colores Idcirco queris. Daß der Freund Lehrer war, 4 ) bezeugen mehrereStellen, 1, 2 S. 9 pueros tuae diligentiae commissos ... studiose adiflea; 15 S. 14 Cum ergoin pueris erndiendis .. . duram ceperis provinciam 5 ) und S. 15 adeo ut pueros .. . non tantummoribus habitu et scientia devote instruas, ferner 2, 3, 4 Ergo stude pueros commissos iustadocere. Hinderungsgründe für persönliches Zusammentreffen 1, 26 S. 20 sed michi ut ad teveniam et tecam fruar collocutionis gratia, denegant multa quibus impedior negotiorumincommoda. Tibi autem ad nie veniendi non est copia, quem non leviter exire permittitclaustralis obedientia; Ersatz 1, 25 S. 20 hoc sattem colloquendi genere decrevi tuam haberepresentiam. Benennung der Schrift 1, 25 hoc inquam opasculum seu cartam seu dici mavisepistolam ... perlege. Gleich im Anfang weist Onulf auf den geringen Wert der Rhetorik

*) Besonders 2,11,710.

2 ) Nämlich 2, 21,810. Die Hexametersind vielfach leoninisch geieimt und zwardurchaus nicht bloß im Similiter desinens,wie Wattenbach S. 9 bemerkt.

3 ) d. h. nach dem Sprachgebrauch der Zeit

so viel wie Rhythmen.

4 ) Das gleiche für Onulf ergibt sich ausdem Worte der Subskription magistro.

6 ) So ist statt providentiam zu schreiben,wofür Ter. Phorm. 72 f. das Vorbild ist.