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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Onulf von Speier.

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des Parisinus, aber mit dem Gedicht und mit dem Briefe an den Kaiser). Ausgabe vonE. Dümmler, Anselm der Peripatetiker (Halle 1872) S. 1558 mit guter Einleitung. Vgl.B. Haureau, Singularites historiques et litteraires p. 179200. Fitting, Zur Gesch. d.Rechtswissenschaft S. 9. Poole, Illustr. of the history of medieval thought p. 82. Watten-bach 2, 2. Ueber die Retorimachia handelt J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. friihmittel-alterl. Philosophie (Münster 1915) S. 3337.

126. Onulf von Speier.

Um die Mitte des 11. Jahrhunderts lebte Onulf als Lehrer an derSpeierer Schule. Was uns von diesem Manne bekannt ist, wissen wir einzigaus einem von ihm verfaßten Werkchen, dem er den Titel Rethoricicolores gab. Nämlich ein jüngerer Mönch, mit dem er befreundet war,hatte ihn um eine Anweisung über Rhetorik mit beigefügten Stellen ausden alten Autoren J ) gebeten. Der Freund war in seinem Kloster zugleichLehrer, und da er das Kloster nicht verlassen durfte und den Onulf aller-hand Pflichten 2 ) davon abhielten, den jedenfalls in einiger Entfernung vonSpeier wohnenden Freund zu besuchen, so verfaßte er selbst eine solcheAnweisung, um sich aus der Entfernung mit ihm zu unterhalten; seineSendung Werkchen oder Schrift oder Brief zu nennen, überläßt er demAdressaten, dessen Name uns nicht bekannt ist, da der Eingang der kleinenSchrift nicht erhalten blieb. Sie ist wahrscheinlich für den Unterricht be-stellt und auch geschrieben worden, wenn auch ihr Inhalt seltsam genugist. Denn wir finden hier eine Auseinandersetzung über die dem Rednernotwendigen Exornationes verborum an der Hand der im Mittelalter demCicero zugeschriebenen Rhetorica ad Herennium 4, 13, 19 bis 4, 29, 40 undzwar in Verbindung mit einer kurzgefaßten christlichen Ethik für denKleriker. Onulf entwickelt nämlich die sittlichen und intellektuellen Be-dürfnisse des Klerikers, indem er an die rednerischen Forderungen seinerQuelle sittliche Postulate anfügt und aus der antiken rednerischen Theoriegewissermaßen die praktischen Konsequenzen für die christliche Moralfolgen läßt. Kaum findet man auf einem andern Gebiete eine so merk-würdige innige Verbindung der alten Bildung mit christlichem Gehalte vor.Und dieser Umstand macht sich nicht nur in der ganzen Anlage, sondernauch in der Ausführung geltend, da neben einer großen Zahl von biblischenAussprüchen allerhand Reminiszenzen aus der alten Prosa und Poesie stehen.Der Ton ist durchaus lehrhaft, aber doch lebendig und infolge der benutztenrhetorischen Formen auch eindrucksvoll. Auch greift der Gang der Aus-einandersetzung in das Leben der Gegenwart insofern ein, als eine Mengeeinzelne Züge aus dem Wirken verworfner Kleriker mit ziemlicher An-schaulichkeit vorgeführt werden und unter anderem auch über die Simonie

') So verstehe ich 2,12. 13,11 (BerlinerSB. 1894, XX S. 23) Forsitan auctores tibircthoricosque colores Idcirco quen's; 1,13 S.14et his quos requiris colovibus.

2 ) Sie bestanden wohl im Amte des Leh-rers, da ja auch Onulf nach der Subskriptionder Schrift Lehrer war. Uebrigens bemerkeich, daß die von mir Neues Archiv 32,691 unterOnulf untergebrachten Aufschriften jedenfalls

richtig mit dem Fragezeichen versehen wurden;sie gehören kaum zu Onulf. Hierzu gehörennoch Canterbury s. XV (James, The anclibr.of Cant. and Dover p. 366) N. 1456 et in eoclemlibro de coloribus rethoricis und Dover 1389(daselbst p. 487) N. 392 Colores quidam re-torice. Incipit: Hactenus o muse. Das istweder Onulf noch steht der Abschnitt imDoctrinale des Alexander.