662 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
continens septuaginta tres sextarios. % ) Außer dem Griechischen begegnen auch hebräischeLemmata, die aus Hieronymus erklärt werden, so f. 10 a Ariel, f. 17'«f Batdim, f. 157a Tera-fim, f. 157b Tectifim; hebräisch auch f. 156 Salamalac est ave. Von besonderer Bedeutung istdie Benutzung des Nonius Marcellus, auf die Goetz (Berl. philol. Wochenschr. 1889 Sp. 1331)aufmerksam machte, da Aynard zu vier Stellen diesen Schriftsteller anführt. Aynard ver-dankt wohl diese Kenntnis der im 11. Jahrhundert in Metz (Manitius, Philol. a. alt. Biblio-thekskatalogen S. 83) 2 ) befindlichen Handschrift, 3 ) die wohl mit Voss. F73 (aus St. Martinin Tours) und mit der von Lupus verwendeten (vgl. Bd. 1, 488; zu Hincmar vgl. 1.349) j nVerbindung steht; übrigens verdankt er dem Nonius bedeutend mehr, als er angibt (s. unten).wie auch zu vermuten ist, daß er eine PJacidusüberlieferung gekannt hat, vgl. hierzu f. 101>archisterium est monasterium, f. 147 b Orchia u. a. Eine Hauptquelle aber bildet Servius fürAynard, sein Vergilkommentar wird ungemein häufig für Mythologisches und Sprachlichesausgeschrieben, wie das ja auch schon Remigius getan hat. Wie weit freilich Aynard denServius selbst benutzt hat, wird sich erst nachweisen lassen, wenn die von Remigius ver-faßten Kommentare in unverkürzter und unveränderter Gestalt vorliegen, denn Aynard hatden Remigius ungemein häufig benutzt. Das ist zunächst unbedingt sicher bei den Remigius-kommentaren zu Priscian de XII versibus Aeneidos und zu Phocas, die mir — allerdingswohl in vielfach' verkürzter Gestalt — im Rotomag. 1470 s. XI vorliegen. Ich gebe hier dieBelege, indem ich die Stellen des Prisciankommentars mit den sie benutzenden LemmataAynards zusammenstelle: Priscian Keil, G. L. 3, 462, 32 dextrochirla; 463, 3 subero; 466, 33Stratoria; 475, 7 Postica (vgl. die Glosse zu Phocas p. 418, 28); 478, 2 Libripens; 480,10Tricurium; 482, 22 Kalo; 486, 4 Liceor; 495, 36 Philaxe; 497,1 Colobistae; 4 ) 508, 8 fartores.Phocas bei Keil, G. L. 5, 412,1 glis (vgl. die Glosse zu Eutvches Keil, G. L. 5, 449, 2);412,20 Damma; 412,21 Colon. Calopoäia; 413,16 Latro; 428,6 Antes; 428,7 Pugillares.Aber auch der Remigiuskommentar zu Martianus Capella, von dem ich leider nur den An-fang vergleichen kann, ist durch Aynard benutzt, wie gleich eine seiner ersten Glossenallubesco consentio (Martian. p. 12, 2 oder 13, 25) ausweist. 5 ) Für manche Remigiusglossedürfte übrigens bei Aynard der Ursprungsort nicht leicht zu bestimmen sein, da sich jaRemigius unausgesetzt selbst ausschreibt. Auf diesem Wege gelangte auch manches, wasdem Johannes Scottus gehört, in Aynards Glossar. Nun werden bei Aynard nicht selten Er-klärungen zu Juvenal, Persius und Horaz gegeben. Da wir wissen, daß Remigius den Juvenalkommentierte und daß sein Lehrer Heiiic sich mit Persius 6 ) und Horaz beschäftigte, sowird wohl auch dieser Teil der Erklärungen Aynards dem Remigius zuzuschreiben sein. Daferner Remigius eine Erklärung zu Terenz verfaßt haben soll und bei Aynard die Wortecetarii und cupedenarii benachbart erklärt werden (aus Eun. 257 und 256), so könnten dieseErklärungen ebenfalls auf den gelehrten Mönch von Auxerre zurückgehen. Eine wichtigeweitere Quelle für das Glossar ist der Auszug des Paulus aus Festus, der zuweilen wörtlich,öfters aber verkürzt und mißverstanden ausgeschrieben wird. Als verwendet kommen folgendeStellen in Betracht: Alpes (Festus ed Aein.Thew r rewk de Ponor) p. 3, 27ff.; Ämussis p.ö,3f.; Camilhis p. 30, 30; Cicur p. 76, 27; Diwans p. 47, 12; Forum p. 59, 28 ff.; Iniugis (Seittgis)p.81,9; Lemniscep.82,3«.; Lucar$.85, 15; 0«'c&aZeu»»p.7.1ff.; Porcae p.77,1 f., 275,1 f., 306,lf.; Praeficae p. 280, 10; Querquera p. 343, 5. 9; Sarpo p. 473, 21'.: Sarta tecta p. 473, 5; Scedap. 497, 8 f.; Sollum p. 413, 3 f.; Staltana p. 455, 1 f.; Stiria p. 515, 6 ff.; Sutela p. 449,14; Tun-süla p. 539, 9 f.; Vesticeps p. 560,15; Vinnulus p. 577, 5. Allerdings kann das eine oder anderehier erwähnte Wort auch auf ein Glossar zurückgehen, da ja Festus' Erklärungen vielfachin die Glossenliteratur übergegangen sind. Unsicher ist auch, ob drei Stellen aus Aldhelm— Pupupi, Aldh. praef. de laud. virg. 20; Toracicla Laud. virg 38 p. 51,9; Tippida aenig.hexast. 3 (Aufschrift und Vs. 6) — unmittelbar auf Aldhelm zurückgehen oder einem Glossarentnommen sind; denn wir wissen, daß Aldhelmglossen im Glossar. Amplonianum 2 stehen(s. Bd. 1, 135 n. 1). — Nonius wird von Aynard nur viermal genannt, nämlich zu Bidentes,
') Auch Neubildungen hybrider Art findensich wie f. 147 b orthodocus recte docens.
s ) Vgl. auch Centralblatt f. Bibliotheks-wesen 11,83 N.24.
3 ) Es ist nämlich kaum anzunehmen, daßseine Noniuszitate aus dem sonst so häufigvon ihm gebrauchten Remigius stammen.
4 ) Aynard f. 18° Colobiste sunt qiä colobiavendunt id est vilia munüsetäa que et bel-laria vocantur und f. 157 b Tragemata vel bel-laria sunt vilia muniiscula. Die verderbteRemigiusstelle heißt Tragemata dicuntur viliagrece, colubida Hebrei, colobistas munusciila.
'•>) So sind daher wohl genommen die Er-klärungen zu Creagres (Mart. 9,997), zu Con-dilus (Mart. 1,88), corporeum — corporatum(Mart. 6, 607), farcino (Mart. 9, 998). FeinerAndolicJüa aus Mart. Cap. p. 4, 2, desgleichenf. 137 b die umfängliche Erklärung der Namender Sonnenrosse aus Mart. p. 13,4 und Ful-gentius Mitol. 1,12.
6 ) Aynard scheint aber auch die älterenScholien zu Persius benutzt zu haben, wieaus seiner Erklärung zu Citrec hervorgeht,s. Persius ed. F. Leo p. 9 (1910) zu 1, 52 undzu Balanatum gaiisape p. 40 zu 4, 37.