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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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660 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

etiam fortissimi luxuria cinguntur. Mit 214 vgl. daselbst zu 3, 478,1 Filla regina fuit queadamavit quendam ducem ad prelium pergentem. Qui cum dixisset tunc non posse eamaccipere, promisit se eam accepturutn cum reverteretur. Sed cum moraretur illa inpatientiaamoris conversa est in amigdalinum truncum sine foliis. Quam cum amplexaretur dux rever-sus inruit et folia emisit. Mit 115 vgl. daselbst zu p. 481, 37 Marsia proprium nomen estnam ioculator quidam fuit, qui ausus est contendere cum Apolline in citharizando. Tunciratus Apollo cepit cum illo canere lyra et Marsias tibiis. Quem [cum] non posset superareApollo, cepit inversa lyra canere; tunc ille inversis tibiis volutt similiter cantare, sed nonpotuit. Tunc Apollo religavit eum ad arborem et gräviter cecidit. Aehnliche Uebereinstimmungenmit dem Mythenbuch im Kommentar des Remigius zuPhocas Keil 5, 424, 8. 424,13. 424,16 1 )und im Kommentar zu Martianus Capella (ed. Ey ss.) 1,16. 2,26. 3,5 a ) u. a. Diese angegebenenStellen besitzen sämtlich überraschende Aehnlichkeit mit dem Mythenbuch.

Die hs. Ueberlieferung besteht aus Vatic. reg. 1401 s. X, 3 ) der nach Maass (Die Tages-götter in Rom und in den Provinzen S. 256 n. 10) die Ueberschiift hat Inc. capitulatio mithologia-rii; außerdem eine zweite von Mai benutzte Hs. des Vatikan; Vindob. 3120 s. XVf. 217 245(bis fab. 152, 27). Ausgaben: Mai, Class. auct. 3, G. H. Bode, Script, rer. mythicarum Latinitres Romae nuper reperti 1,74151. (Neue Ausgabe dringend notwendig.) Vgl. besondersFerd. Keseling, De Mythographi Vat. secundi fontibus, Halis Sax. 1908 Zur Benutzungdurch Konrad von Mure vgl. Ant. Mayer, Die Quellen zum Fabularius des Konrad von Mure(Nürnberg 1916) S.7197.

117. Aynard von St. Evre.

Aynard war um die Mitte des 10. Jahrhunderts Klosterlehrer zuSt. Evre in Toul, wo vor einigen Jahrzehnten wohl die Ecbasis captivientstanden war und wo sich später eine sehr reichhaltige Büchersammlungbefand, 4 ) die namentlich viele Schätze aus der alten Literatur besaß. Sohatte man hier unter anderem auch fünf Bände mit Glossaren 5 ) und Aynardmag diese Werke seinem Unterricht vielfach zugrunde gelegt haben. Dabeikam ihm wohl der Wunsch, selbst ein solches Werk abzufassen, das sich nichtnur auf den alten einschlägigen Glossaren aufbauen sollte, sondern hiermitEtymologisches im Sinne Isidors, Notizen aus den Differentiae verborum, 6 )Stücke aus Scholien zu alten Autoren, allerhand griechische Erklärungenund Übersetzungen lateinischer Wörter und endlich Bestandteile enthielt,die aus dem Sprachgebrauch der Gegenwart und aus deren Leben undAnschauungen stammten. So hatte ja auch schon Smaragd seine-Grammatikauf das Niveau der Gegenwart stellen wollen, indem er fränkische Zutatenmachte. Außerdem hat Aynard aber, wie ich glaube, die abstruse Gelehrten-sprache Südgalliens, die uns aus den Schriften des Virgilius Maro etwasbekannt ist, 7 ) oder eine ähnliche Geheimsprache in sein Werk hinein-geschmuggelt, denn meines Erachtens lassen sich viele seiner Erklärungenund viele höchst merkwürdige Wörter nur so auffassen; allerdings werden,wie gewöhnlich, sehr viele Wörter in völlig korrupter Form gegeben. Dasalphabetisch geordnete Glossar stellt daher eine seltsame Mischung vonallerhand Wissenswürdigem zusammen, wobei allerdings der gewöhnlicheglossographische Inhalt überwiegt. In einem kurzgehaltenen Vorwort be-

J ) Nämlich mit Myth. 12. 90. 68.

2 ) Nämlich mit Myth. 36. 14. 90 f.

s ) So nach Maass, Die Tagesgötter etc.S. 256, während P. Ehrle, Die Hs. saec. XIIzuschreibt, vgl. Keseling p. 2 und 146.

4 ) Das beweist der Katalog aus dem11. Jahrh. (Becker N. 68). Ferner kommt

die Literaturkenntnis des Verfassers der Ec-basis captivi hinzu (Bd. 1,618), falls dieserwirklich nach St. Evre gehört.

s ) Becker 68,264268.

6 ) Die sogenannten Differentiae Ciceroniswaren in der Bibliothek, s. Becker 68,211.

') Vgl. Bd. 1,123 f.