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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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658 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

aber sicher von dessen Verfasser für die Auswahl der Fabeln und für ihreBearbeitung zu Rate gezogen worden.

Es hängt nun mit der Natur seiner Vorlagen und seinem Mangel anKritik zusammen, daß der Verfasser in der Auswahl des Stoffes nach unserenBegriffen oft recht unvernünftig verfahren ist, daß er ungeheuerliche Fabeleienvorbrachte, eine Menge unsinnige Etymologien aufstellte, sowie törichteallegorische Deutungen nicht nur abschrieb, sondern auch erfand. Dabeihat er den Wortlaut seiner Quelle nicht selten sprachlich verbessert, beiOichterzitaten hingegen öfters den Namen des Autors weggelassen. Daßer etwas Griechisch verstand, ist sicher und doch ließ er mehrfach griechischeWorte seiner Vorlage aus. In der Anlage des Werkes verfuhr er so, daßim allgemeinen jedes der Stücke für sich besteht, aber öfters hat er amSchluß einer Fabel einen Übergang zur folgenden gemacht und derenInhalt in kurzen Worten schon angedeutet.

Was die Quellen selbst anlangt, so boten ihm die breiten Erklärungendes Servius zu Vergil ausführlichen Stoff und reiche Belehrung, und so hater daraus eine große Zahl Stücke ganz oder zum Teil wörtlich entlehnt.Und zwar hat er, wie Keseling nachwies, 1 ) die kürzere Fassung des Serviusin einer Überlieferung benutzt, die dem Caroliruh. 116 sehr nahe stand.Allerdings benutzt der Verfasser nur selten ausschließlich den Wortlaut desServius, er verbindet meist mit ihm kleine Zusätze, die anderswoher ent-lehnt sind. Die zweite, schon oben berührte Hauptquelle sind die Mitologiaedes Fulgentius, die ja ein ähnliches Handbuch darstellen wie unser Mythen-buch. Die Gleichheit der Erzählung in beiden ist oft frappant, 2 ) so daßan der Benutzung nicht gezweifelt werden kann. Ja die Ähnlichkeit desStoffes bewog in späterer Zeit sogar einen Abschreiber des Fulgentius,diesen aus dem Mythenbuch zu interpolieren. 3 ) Hieran reihen sich diereichen Erklärungen des Lactantius Placidus zu Statius' Thebais, die vomVerfasser ebenfalls stark ausgeplündert wurden, und zwar macht Keseling(p. 44 f.) die Bemerkung, daß der Wortlaut des Mythenbuches in der WienerHandschrift sich häufig sehr eng mit der Überlieferung des Lactantius imParis. 8064 berührt; dies kann auf das ursprüngliche Abhängigkeitsverhältnishindeuten und einen Fingerzeig für die Überlieferungsgeschichte geben, dochist auch das umgekehrte Verhältnis möglich, daß die späte Überlieferungder Wiener Handschrift erst nach jenem Pariser Kodex oder einem Ver-wandten desselben abkorrigiert wurde. Von erhaltenen Werken hat dasMythenbuch außerdem benutzt den schon genannten Isidor und die Er-klärung des Pseudo-Acro zu Horaz, die erst im Ausgang des Mittelaltersmit diesem Namen genannt wird und sich in alten Bibliothekskatalogenwohl mehrfach unter dem Namen Commentum Horatii u. dgl. verbirgt.Sind nun die Annahmen Keselings richtig, so würde der Verfasser desMythenbuches auch eine mythographische Erklärung zu Vergil benutzt haben,die im erweiterten Servius sowie bei Philargyrius und Probus sichtbar

M a. a. 0. p. 9 ff. und p. 8 n. 3.2 ) Vgl. Fulg. ed. Helm 1, 6 p. 20 mit My-thogr.Vat. 2,11 p. 77.

3 ) Nämlich im Marcianus 94 Venetus s. XV,vgl. Fulg. ed. Helm 1,6 p. 20,15 ff. mit Myth.11,27 f. und Helm p.XII.