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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Das Mythenbuch des Mythographus Vaticanus IL

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und Antwort im Unterricht geschaffen habe, wie wenigstens F. Keselingmeint; 1 ) ich glaube allerdings, daß dies eher auf einem Zufall beruht, dader Autor hier wie überall in seinem echt schulmäßigen Bestreben nachErklärung der Dinge sich besonders durch den Stoff fortreißen ließ, in fastkatechisierender Form zu schreiben. Doch bezeugen gerade diese Stellen,daß das Buch zu Unterrichtszwecken geschrieben wurde. Wohl aber istdie Möglichkeit zuzugeben, daß der Verfasser neben anderem eine Quellebenutzte, in der er bildliche Darstellungen aus der Welt der Götter undHeroen fand und von dieser Unterlage aus seine Darstellung bereicherte. 2 )Das Buch ist, wenn man die Zeit seiner Entstehung und seinen Zweckbedenkt, nicht ungeschickt geschrieben, denn der Autor hat aus einer ziem-lichen Anzahl von Quellen das, was ihm wissenswert dünkte, in leicht-verständlicher Form zusammengestellt und nicht unbeträchtlichen Stoff zu-sammengebracht. Allerdings ist dieser Stoff sehr ungleichmäßig gegeben,denn über seine Quellen konnte der Autor nicht hinaus, er schließt sichihnen sogar häufig ganz sklavisch an, so daß der Wortlaut nicht seltenfür deren Überlieferungsgeschichte zu verwenden ist. Dabei ist sein Be-streben nach rationalistischer Erklärung der Mythen so groß, daß er eineErzählung, die er in einer Quelle vorfand, abschrieb und die Deutung nachganz andrer Herkunft gab, wenn sie ihm nicht die erste Quelle 3 ) bot. DiesBestreben ist ihm freilich nicht eigentümlich, er fand reichlichste Erklärungder Mythen schon in den von ihm sehr stark benutzten Mitologiae desFulgentius; und wenn seit Gregors des Großen Zeit die christlichen Schrift-steller ganz allgemein sich auf die bekannte dreifache Erklärung einesSchrifttextes warfen, so ist die Übertragung dieses Gebrauches auf die vonder Kirche so perhorreszierte antike Mythologie nicht zu verwundern, zumalwenn sich die Sache schon vielfach in älteren, in hohem Ansehen stehendenQuellen vorfand. Und so ist denn die Selbständigkeit des Verfassers auchin andrer Beziehung nicht eben groß. Es ist nämlich nach den Unter-suchungen von Keseling 4 ) nicht zu bezweifeln, daß der Autor ein ähn-liches Mythenbuch gekannt hat, das wir heute Mythographus Vaticanusprimus nennen. Man hat früher angenommen, 5 ) daß er dieses für seineDarstellung sehr häufig benutzt hat; doch ergibt sich nach Keseling einanderes Verhältnis, indem jene angeblichen Entlehnungen als unzweifelhafteBenutzung des Servius und Lactantius Placidus festgestellt wurden. DerVerfasser hat nun hiernach viele Stücke, die in dem früheren Mythenbuchstehen, nicht behandelt, besitzt aber andrerseits ein nicht geringes Mehrvon Stücken und eine große Anzahl allegorische Erklärungen, die jenemfehlen. Beide haben viele Stücke aus gleicher Quelle oder aus andrer dar-gestellt und kommen dabei sachlich nicht selten überein. Und so hat dasältere Mythenbuch dem jüngeren nicht geradezu als Quelle gedient, es ist

') De Mythographi secundi fontibus (HalisSax. 1908) p. 135.

2 ) Vgl. 32 (ed. Bode, Script, rer. mythi-carum Latini tres 1, 85) Veneris concha. Con-cham marinam portare pingitur. 35 p. 86, 6Qui ... depingitur ; 36 p. 86,17 Quae .. . depin-guntur. 39 p.87,33 Quae pingitur; 13 p. 78, 24

nnde duplex effigies in his invenitur usw.

3 ) So 206, wo er die Deutung von 205nach Fulgentius Mitol. 3, 7 gab.

4 ) De Mythographi Vatic. secundi fontibusp. 117128.

5 ) Vgl. Keseling p. 116.

Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II.

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