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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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648 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

tüchtigen Nachwuchs für seinen Klerus zu gewinnen. Ohne Zweifel bedientesich nun Alfred in allen geistlichen und wissenschaftlichen Fragen unausgesetztdieser von ihm ins Reich gezogenen Kleriker. So erzählt Asser c. 8789eine Episode aus dem Leben des Königs, aus der sein Einnuß in wissen-schaftlichen Dingen auf Alfred klar hervorgeht. Er berichtet nämlich, daßer einst dem Könige eine Stelle aus einem Werke der Väter vorgetragenund daß dieser den Eintrag der Stelle in sein Handbuch gewünscht habe.Da dies aber bereits vollständig beschrieben war, habe er die Stelle mitBewilligung Alfreds an den Anfang einer neuen Pergamentlage geschrieben,und diese Lage sei in kurzer Zeit mit andern wichtigen Väterstellen an-gefüllt worden. Aber von jenem Tage an 1 ) habe der König lateinischlesen und einen lateinischen Test angelsächsisch erklären können, und ausjener Lage sei allmählich ein ganzes Buch Testimonien fast von der Größeeines Psalters entstanden, das der König sein Enchiridion nenne. In diesBuch scheint Alfred auch geschichtliche Ereignisse aufgenommen zu haben,denn Wilhelm, von Malmesbury erzählt an mehreren Stellen 2 ) von einem Buchedes Königs, wo über Aldhelm gehandelt werde; und er nennt dies Buchden Manualis liber, der also damals in England noch wohlbekannt war,denn auch anderwärts finden sich Spuren von Kenntnis.

Doch Alfreds literarische Tätigkeit gewann bald eine bedeutende Aus-dehnung, nachdem die Dänen infolge des Seegefechts an der Mündung desStour 3 ) für mehrere Jahre gezwungen waren, Frieden zu halten. In dieserZeit zeigt sich Alfred als der große ßeorganisator seines Volkes auf politi-schem wie auf geistigem Gebiete. Vornehmlich war die englische Kirche,die vordem an den Kontinent so bedeutende Männer abgetreten hatte, vonihrem früheren geistigen Niveau, das ihr einst Theodor und Hadrian gegeben,tief herabgestiegen. Alfred selbst beklagt in der Vorrede zu seiner Über-setzung des Liber regulae pastoralis, daß es nur noch ganz wenig Geistlichegebe, die den Gottesdienst auf Englisch verstanden oder einen Brief ausdem Lateinischen englisch erklären konnten.* 1 ) Die Maßnahmen, die er ergriff,um diesem Übel zu steuern, zeugen von seinem klaren Laienverstande, under erinnert in dieser Beziehung an Karl den Großen. Vor allem galt es, zurHervorbringung tüchtiger Kleriker die Schulen zu heben, und man hatwohl nicht fehlgegriffen, wenn man aus den Worten Assers c. 75 5 ) ge-schlossen hat, daß er auch eine Hofschule begründete; denn Asser berichtetdort Ähnliches, wie Alfred selbst in der genannten Vorrede es ausspricht:Er wünsche, daß die gesamte freigeborne Jugend seines Volkes, welchedie Mittel dazu habe, zum Lernen angehalten werden möge. 6 ) Und nachdiesem Beispiel erstanden wohl auch die andern einst so berühmten Schulen

*) Es war der 11. Nov. 887, s. Asser ed.Stevenson c. 89,14 p.75. Vgl. The Cam-bridge history of English litterature 1,91.

2 ) Gesta pontiflcum Anglorum 5 (= VitaAldhelmi) 188 und 190 (ed. Hamilton p. 332und 336). Ueber angebliche Kenntnis des Hand-buchs bei Florentius v. Worcester s. Plum-mer, Thelife and times of Alfred the Greatp. 143 und The Cambridge hist. of English | mera. a. 0. S. 136literature 1,91; über Kenntnis bei Faritius,

Abt v. Abingdon s. Asser's Life etc. ed. byStevenson p. 326 n. 7.

3 ) Vgl. Plummer a. a. 0. p. 108 undPauli. König Aelfred S. 144 ff.

4 ) Vgl. die Vorrede bei Pauli, König Ael-fred S. 314 und 185.

5 )ed.Stevensonp.58,11-21. 60,32-36.6 ) Vgl.Paulia.a.O.S.315und204;Plum-