Asser Bischof v. Sherborne und König Alfred der Große. 649
des Reiches wieder von neuem und der König trug Sorge für die Anlegungneuer Klöster und Kirchen, damit das Volk von hier aus weiter belehrtwerden könnte. Man sieht hier fast dieselbe Tätigkeit, wie sie einst Karlder Große für sein weites Reich begonnen und durchgeführt hatte, undwenn die englische Geistlichkeit in späteren Zeiten in bezug auf Wissenund Durchbildung sich kühn mit dem kontinentalen Klerus messen konnte,wenn die Schätze englischer Bibliotheken später den Vergleich mit denenFrankreichs und Deutschlands gut aushalten konnten, wenn die literarischeProduktion Englands in späterer Zeit auf gewissen Gebieten sogar an derSpitze stand, so ist doch keineswegs hierfür allein die normannische Ein-wanderung des 11. Jahrhunderts als Ursache geltend zu machen, sondernhauptsächlich sind diese Verhältnisse auf die unermüdliche Fürsorge Alfredszurückzuführen, die uns aus Assers Bericht so klar entgegentritt. Hatteman nun auf dem Kontinent schon seit längerer Zeit mit der Übersetzungkirchlicher profaner Literatur in die Volkssprache begonnen, so machtejetzt auch König Alfred den Anfang hiermit. Schon aus früher Jugenddes Königs berichtet Asser von dessen großer Vorliebe für die heimischeSprache und die volkstümliche Dichtung, und da Alfred einsehen mochte,daß die fremde christliche Kulturwelt und deren literarische Erzeugnissevon den Angelsachsen leichter durch das Medium der heimischen Sprachebegriffen würden, so machte er sich selbst hier ans Werk.
Wahrscheinlich begann er damit, daß er dem Bischof Werfrith vonWorcester auftrug, die Dialoge Gregors des Großen, der ja die englischeKirche begründet hatte und dessen Andenken hier in großem Ansehenstand, ins Angelsächsische zu übertragen. Alfred hatte keinen weiterenAnteil an der Arbeit, als daß er vielleicht selbst die kurze Einleitung hierzuschrieb oder in seinem Namen abzufassen befahl, denn er spricht hierselbst zum Leser. 1 ) Werfrith scheint bei der Übersetzung nur eine Auswahlder Legenden getroffen zu haben, so daß größere Teile des Originals un-übersetzt blieben. Als dieser Anfang gemacht worden war, mochte es demKönig besonders wichtig erscheinen, den Liber'regulae pastoralis zuübertragen, da dies Buch der beste geistliche Führer für den verweltlichtenKlerus abgab. Hierbei ging der König selbst an die Arbeit, allerdings ließer sich durch Erzbischof Plegmund, 2 ) durch Asser, Grimbald und Johanneserst einführen, indem er bei diesen den genauen Sinn der Worte des Originalslernte und danach übersetzte. Wenn man nun freilich die große Ausdehnungnicht nur dieser Arbeit, sondern auch aller folgenden Übersetzungen desKönigs bemißt, der hierfür im ganzen nicht mehr als höchstens zehn Jahregebraucht haben kann, so möchte man bei der Beurteilung dieser Tätigkeitunbedingt der Ansicht Plummers 3 ) zustimmen, daß nämlich der Hauptteilder Arbeit von anderer Seite kam und der König wohl nur die endgültigeForm der Übersetzung bestimmte. Und er übersetzte, wie er selbst- sagt,bald Wort für Wort, bald Sinn für Sinn, je nachdem es ihm seine Lehrer
') Vgl. Pauli a. a. 0. S.318 und 238). | 890 begonnen haben.
-) Da er in der Vorrede (Pauli S. 316) j 3 ) The life and times of Alfred the great
sagt ic hie geliornode aet Plegmwide minum . p. 143.
'tercebiscepe, so kann er die Arbeit erst nach j