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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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644 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

putant III. f. 146 al Theos deus, theos aut, ut quorundam opinio habet, a spectando id estomnia prospiciendo vel contemplator. Kritik übt er, wie man sieht, an seinen Quellen fastgar nicht, nur einmal spricht er von seinem Standpunkt als Lehrer f. 13 b 1 Aquila a com-munione accepit nomen, sed hoc gratiae magisterio dictum amen, was allerdings so unver-ständlich bleibt, wie es barbarisch gesagt wird. Mit seiner eignen Meinung wagt er sichüberhaupt nur ganz selten hervor, wie f. 97 b 1 Mytras et tgaras idem sunt ut estimo, undf. 4 b2 Aditis hosteis sed melius secretis locis vel interioribus partibus, und er bekennt anzwei Stellen seine Unkenntnis, f. 105 a2 Onycec calbanen pigmenta ignota nobis und f. 123 a 2Pygargon et orten et camelo et pardulum 1 ) ignotae bestiae sunt. Selten auch läßt Ebarciusvom Sprachgehrauch seiner Zeit etwas hören, und auch da ist es noch unsicher, ob er wirklichspricht und nicht vielmehr seine Quelle. So f. 95 a 2 Moechonoth in liegnorum fulturae, quasbares appellamus und f. 113 b 2 Pignus latine interpres pro arrabone posuit hoc est ENEXIPON. . . quam nunc pro arrabonem p>ossessionem vel hereditatem ponimus. So ist es auch sehrzu bezweifeln, ob die persönliche Bemerkung am Schluß der Erklärung zu Colocintidas aufseine Rechnung oder nicht vielmehr auf seine Quelle kommt f. 30 a2 Colocintidas Cucurbitasagrestis minores quam Uli de quibus confxciunt, tarnen ipsi similis amarique ut fei; in Africavidimus; es wäre jedenfalls sehr zu verwundere, wenn der Klosterlehrer von St. Amandjemals den Boden Afrikas betreten hätte.

Außer den oben genannten läßt sich aber auch noch eine andere Quelle für Ebarciusfestsetzen. Nämlich außer den sehr zahlreichen griechischen Wörtern, die er in seinelateinischen Vorlagen hineingearbeitet vorfand und abschrieb, muß er auch griechische Hilfs-mittel, d. h. mindestens ein griechisch-lateinisches Lexikon benutzt haben. So begegnen nurin solchen Glossaren die Worte f. 7 bl Aercladiocten operis compulsorem, f. 7 6 a 2 Inf ans foetumBRE'POC und Infamie sine honore ATIMOC. Weiter erwähne ich f. 78 bl Innocentia bonitasAKÄKIA, f. 80 a 1 Insignae ovile ENÜPIMON, f. 81»' Intentus contemplatio 6EQPIA, f.112* 2Peri tes zoes theoricas id est de activa contemplativa, f. 134 bl Semita via ATPAPOI'TPI-BOI- OAOI, f. 142 al Suggestum tribunal BHMA Y<WC, f. 143& 1 Sursum tnlit sustulit ANH-PEN, f. 144 a2 Tectorium tegmine KONIAMA und f. 53 a 2 Ericius qui EXYNOC dieäur itaspi>wso defenditur tegmine ut nee quidam contingere possit. Wie es freilich mit des Ebarciuswirklicher Kenntnis im Griechischen beschaffen war, ergibt die an unfreiwilligem Humor soreiche Erklärung f. 124b 1 Quinnici 2 ) philosofi sunt 3 ) a canibus vitam ducentes, philos enimGraece canis dicitur. Das Abschreiben von solchem Unsinn begegnet ihm freilich auch mitlateinischen Dingen, denn der Beginn von Ciceros Catil. 1, 1 heißt mit Erklärung f. 125 a2Quo usque tandem ab utero canülena patientiae nostrae quam diu tarnen ab initio sermonismansuetudini nostrae.

In der Komposition der einzelnen Stücke bei Ebarcius fällt sofort die Häufung synonymerund überhaupt der Bedeutungen auf, die nach gewohnter Weise mit einem vel oder aut an-einandergereiht werden. Ich setze einige der Erklärungen hierher und stelle die betreffendenQuellen bei Goetz (Corp. gloss. lat.) dahinter. So heißt es f. 3 a2 Accola alienus cultor autricinus (5, 541, 3) vel cultor loci in quo natus est sive peregrinus, vel qui aliena terra colit(4, 203, 8) vel qui in eodem loco manet (4, 404, 16). Ferner f. 7 b ' 2 Aestus procella calor cauma(4. 306, 25) vapor anxietas (4, 474, 20) pavor turbines, maris accessus sive recessus (4,428, 31).Oder f. 13 a ' Apex summa pars capitis litterarum (4,19, 22) sive summa pars flamme (4,429, 51)aut summitas verticis vel montis (4,19, 29) aut interdum districtionis nota sive summa potestasaut cacumen vel cuiuscnmque rei (4, 476, 4 + 5, 267, 5). Öder f. 45 a2 Dirivat in aliam ducitpartem (4, 504, 28) a sno convertit cursu (4, 331, 40) vel unamquamque rem in aliquid trans-ducit (4,409,44). Endlich f. 88 bl Linx lupus cervarius (5,534,30 mit Lesart von bc) relbestia varii coloris id est leopardus, inde et vestis varia linx dicipotest (5, 307, 58 + 5,113,13).In diesem letzten Stück scheint ein Anlauf zur Verarbeitung mehrerer Quellen gemachtworden zu sein, doch das tritt nur ganz vereinzelt hervor.

Wenn sich nun auch sehr viel Erklärungen auf die uns erhaltenen älteren Glossarezurückführen lassen, wie oben gezeigt worden ist, so bleibt doch eine recht große Menge übrig,für die die Quellen zu fehlen scheinen. Und es sind das nicht nur wertlose Stücke, 4 ) sondern beimanchen scheint der Kern auf ziemliches Alter zu weisen. Ich gebe hier eine kleine Auswahl.

f. 33 a2 Conlibium genus peeuniae sive crematum. f. 54b l Eunuchus Grecum nomen estspado. Borum quidam coeunt sed tarnen virtm in semine nulla est, liquorem enim habent rfemiUunt, sed ad gignendum inane atque invalidum est, quod Hermlaneus dicitur. 63"Fraxineae gladius versatilis vel aste longissime sunt, quibus etiam Armorici utentes. hoc nomentribuunt quidam ita etiam gladius significari putant. f. 73 bJ In acervo Mercurio. Con-suetudinem habent ambulantes in via, übt sepultus est Mercurius, lapidem iaetare in acervum

') Zu lesen ist wohl camelo pardalum.

2 ) Soll heißen Cynici.

3 ) philosofls Hs.

4 ) Sehr viele Lemmata sind nämlich derBibel entlehnt und mit den Erklärungen desHieronymus versehen.