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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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fi40 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Klosterlehrer übersetzte nämlich von Boethius De consolatione philosophiaedie Kategorien und Periermenias, sowie hiermit in Verbindung De partibuslogicae, De syllogismis und De arte rhetorica, die beiden ersten Bücher desMartianus Capeila im Anschluß an die Erklärung des Remigius, den Psalterund einige kleine katechetische Schriften. Aber viele seiner Übertragungensind verloren gegangen, nämlich die von Catos Distichen, der BukolikaVergils, die Andria des Terenz, Gregors Moralia (jedenfalls nur ein Auszug),das Buch Hiob und der Anfang der Arithmetik des Boethius. Das ist eineaußerordentliche Leistung gewesen und es ist jedenfalls sehr zu bedauern,daß solche Arbeiten in der Folgezeit nur vereinzelt fortgesetzt wurden,wie ja Williram von Ebersberg neben seine Versiüzierung des Hohenliedesauch eine deutsche Übersetzung stellte. Endlich ist hier eines mytho-graphischen Versuches zu gedenken, der den Titel Mithologiarius führt undim ersten Teil über Götter, im zweiten über Menschen handelt und, fallser von Remigius oder aus seiner Umgebung stammt, noch in den vorher-gehenden Zeitraum gehört.

Sehr wenig Arbeiten hingegen sind aus dem eigentlichen Gebiete derRhetorik und Dialektik zu nennen. Hierfür waren die alten Lehrbüchernoch in voller Geltung und neue Bearbeitungen derselben hielt man wohlfür überflüssig. Daß sie im Unterricht eine große Rolle spielten, ergibtsich sehr klar aus dem Stil und der Darstellungsweise vieler wissenschaft-lichen Werke unsrer Zeit und daraus, daß Notker eine Rhetorik übersetzte.Abbo von Fleury verfaßte eine Schrift über die dialektischen Schlüsse.Eine Anweisung zur Rhetorik, die aus dem Auetor ad Herennium geschöpftist, gab der Speierer Lehrer Onulf in seinen Rethorici colores. Und Anselmvon Besäte schrieb De materia artis, ein rhetorisches Werk, das aber ver-loren ist. Von demselben hat sich aber die Retorimachia erhalten, ein Werk,das ruhmredig und geschmacklos ist und die stolze Überhebung des Italienersüber die Deutschen deutlich verrät.

An diese Arbeiten aus dem Gebiete des Triviums reihen sich die Briefean. Sie sind nicht nur ein Spiegel ihrer Zeit, sondern tragen auch, wenigstenswenn sie sich in Mehrzahl erhalten haben, nicht wenig zur Kenntnis ihrerAbsender bei. Schon in unserem Zeitraum wurden die Briefe bedeutenderPersönlichkeiten gern gesammelt, sowohl als Muster, wie auch als literarischeDokumente. So besitzen wir kleinere oder größere Sammlungen der BriefeAbbos, Gerberts, Fulberts, sowie eine größere Menge von Briefen, die sichum Bischof Azechin von Worms gruppieren und jetzt die Wormser Briefegenannt werden, während man sie früher nach ihrem Erhaltungsort dieLorscher Sammlung genannt hat, ferner eine kleine Sammlung von Briefendes Abts Walo von St. Arnulf. Aber es haben sich von vielen Persönlich-keiten auch einzelne Stücke erhalten, die zuweilen wegen ihres Umfangs undInhalts von großer Wichtigkeit sind, wie der Brief Adelmanns an Berengaroder der Gozechins an Walcher. Sonst sind zu nennen als Absender literarischwertvollerer Stücke Rather von Verona, Atto von Vercelli, Bebo von Bam-berg, Odilo von Cluni u. a. 1 )

*) Mehrere Briefe Aribos von Mainz bei Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit2, 706 f. 709 ff.