Die Fächer des Triviums. 639
im 10. Jahrhundert anfertigte. Aelfric von Winchester brachte den Prisciangleichfalls in einen Auszug, verband damit Stücke aus Donat und über-setzte das ins Angelsächsische und hing dieser Grammatik ein lateinisch-angelsächsisches Glossar an, das nach Kategorien geordnet ist. Ebarciusvon St. Amand, der wohl noch ins 8. Jahrhundert gehört und eigentlichdem zweiten Buche anzugliedern war, verfaßte ein sehr umfängliches WerkScripturarum claves, ein Lexikon, das besonders auf dem Liber glossarumaufgebaut ist und zum Verständnis der Bibel beitragen soll. Aynard vonSt. Evre in Toul verfaßte ein Glossar, in dem er alles mögliche Wissens-werte zusammentrug und dazu besonders den Liber glossarum, Servius,Remigiusglossen und Paulus' Auszug aus Festus benutzte. Ein bedeutendesWerk, das von der Nachwelt stark ausgebeutet wurde, lieferte der ItalienerPapias in seinem Elementarium doctrinae rudimentum, einem Lexikon,welches dem Unterricht dienen sollte und neben dem Liber glossarum auchIsidor benutzt und besonders auf Gegenstände der Artes liberales auf-merksam macht. Auch von Kommentaren zur älteren Literatur ist nichtviel zu erwähnen. Sehr ausführliche und auf eine reiche Literaturkenntnisführende Erklärungen zu Bedas De natura rerum und De temporum rationeverfaßte der Angelsachse Byrhtferth. Der Abt Adso schrieb einen verlornenKommentar zu den ambrosianischen Hymnen. Abbo von Fleury kommen-tierte den Calculus Victurii.
Bedeutender aber wurde die Tätigkeit im Übersetzen, und hier regtees sich besonders in den germanischen Reichen Deutschland und England.Man empfand es jedenfalls oft recht störend, daß die gesamte kirchlicheLiteratur des Abendlandes lateinisch abgefaßt war. Das war einerseits fürden Unterricht hemmend und andrerseits mochte doch in manchen geist-lichen Kreisen die geringe Kenntnis des Latein fortwährend auf Schwierig-keiten bei der Lektüre stoßen. Daher entschlossen sich einige tüchtigeKenner des Latein, besonders häufig gebrauchte Werke in die Volkssprachezu übertragen. Zu solchen gehörte zunächst König Alfred der Große, deraber noch aus der vorigen Periode stammt. Alfred bediente sich freilichbei seinen Übersetzungen ins Angelsächsische vielfach fremder Hilfe, aberes ist geradezu erstaunlich, was dieser Fürst alles geleistet hat. Er begannmit den Dialogen Gregors des Großen und übertrug dann dessen Liberregulae pastoralis. Diesem Werke ließ er Orosius und Bedas Kirchen-geschichte folgen. Dann übersetzte er Boethius' De consolatione philosophiaeund endlich die zwei ersten Bücher von Augustins Soliloquien, denen ereiniges Weitere aus Augustin, Gregor und Hieronymus als drittes Buchanfügte. Alfreds Arbeiten wurden hundert Jahre später würdig fortgesetztdurch Aelfric von Winchester, der mit zwei aus verschiedenen Autorenzusammengesetzten Homiliensammlungen den Anfang machte. Er übertrugdann aus den Vitae patrum die Passiones Sanctorum und den Heptateuchund schenkte seinem Volke, wie wir schon wissen, einen angelsächsischenAuszug aus Priscian mit einem Glossar. Ein angelsächsisches Lehrbuchüber den Komputus und andres Wissenswerte gab Byrhtferth heraus. Diesenvolkstümlichen Arbeiten auf der britannischen Insel haben wir in Deutsch-land die Werke Notkers des Deutschen gegenüberzustellen. Dieser St. Gallener