(336 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
Hone quaestio verteretur, comiptionis sitae instinctu cribrum de aqua impleuii Tiberis etquia non perfluit, facti abstulit controversiam. Diese Stelle erzählt auch Augustin Civ. dei 10 16(ed. Dombart 1, 379, 5 ff.), aber weder nach Varro, Doch daß die Vestalin — denn 'umeine solche handelt es sich — von Jupiter gemifibraucht worden war; jedenfalls hat Al-phanus hier nicht aus Augustin geschöpft, und es wäre ja möglich, daß ihm, der zu MonteOassino so rege Beziehungen unterhielt, mehrVarronisches zu Gebote stand, als wir besitzen ')Uebrigens die aus Apuleius angeführten Stücke enthält weder die Schrift De deo Socratisnoch ein anderes Werk des Apuleius, und es ist dabei merkwürdig, daß Alphanus doch• vorgibt, viel in dieser Schuft gelesen zu haben. Dann wird das Verhältnis des Zeus zurEuropa an den Pranger gestellt und die Rettung des Kapitols durch die Gänse spöttischbehandelt, worauf Christina eine geharnischte Christologie gegen die Dienerinnen richtet(1273 B—1274 B).' 2 ) Von Interesse ist auch die Beweisführung Christinas, daß Jupiter nichtGott sei, da er nicht alles geschaffen habe, wie seinen Vater Saturn (1277 D); Tochter undVater gehen hier gegenseitig mit schulmäßiger Logik aufeinander vor und der Vater wendetein, daß auch Christus Gott nicht geschaffen habe. Der im höchsten Maße exaltierte Wunder-bericht endet mit einer anklagenden Apostrophe an die Peiniger der Heiligen und mit einemübermäßigen Lobliede auf Christina. 3 )
Ueberlieferung. Die Vita et passio Christinae findet sich im alten Katalog vonMonte Cassino zusammen mit den Gedichten, vgl. Bibl. Casin. 1, LXXX Vita s. Cliristinaeine. in claro. Ausgabe von Ughelli, Italia Sacra 10, 80 = Migne 147, 1269.
3. Nemesiusübersetzung. Daß Alphanus diese Uebersetzung verfaßte, ergibt sichnach Dittmeyer, Blätter f. d. bayer. Gymnasialschulwesen 24, 368 ff. (vgl. auch 454 f.) auseiner Randbemerkung des cod. Abrinc. 221 f. 89", wo zur üeberschrift prennon fisiconnemesii episcopi gesetzt ist nemesius episcopus graece fecit librum quem voeavit prennonfisicon icl est stipes naturalium. hunc transiulit n. alfanus archiepiscopus salerni. Daß manes mit Alphanus I. und nicht mit seinem Nachfolger gleichen Namens zu tun hat, machteCl. Baeumker wahrscheinlich Wochenschr. f. klass. Phil. 1896 Sp. 1096, der außerdem diePariser Hs. nachwies, den Widmungsbrief des Alfanus abdruckte und daraus eine Kollationdes Kap. I mit Holzingers Druck gab. Daß die Widmung an einen hochstehenden Herrngerichtet ist, ergibt der Prolog (ed. Burkard, 1917), wo es p. 1, 8 heißt domine und 9quanto ... liominibus quoqne ipsis imperare decevneris und p. 4, 9 tuum prudentem tueberisclientulum; und da Alphanus an Gisulf auch ein Gedicht, gerichtet hat, so liegt die Widmungan ihn besonders nahe. Titel in dem Prolog p. 3, 27 Eritque ei titulus Premnon fisicon*)hoc est Stipes naturalium, quia sicut ex imo stipite multi ramusculi pullulant, sie ex huiusfönte doctrinae plurimi scientiae naturalium rivuli exuberabunt. Zur Bitte des Alphanusp. 4, 3 Nunc iffitur, precor, dignare siqua deerint dementia suppleas, supervacua aequitatereseces, erratet sapientia corrigas, forte dieta commode alacritate suseipias et suseepta beni-voleniia probes ... Sic equidem et aemulorum hiantia ora picea offa compesces et a virosiseorum morsibus tuum prudentem tueberis clientulum. .Zur Sprache des Werkes vgl. denIndex von Burkhard p. 147 ff. Es befand sich s. XU in Beccum, vgl. B. 86, 34 Prennon fisicon.
Ueberlieferungim Paris. 15078 s.XI-XII f. lll b —200, Abrinc. 221s. XII f.89"-114 b ,Mus. Brit. Cotton. Galba E. IV s. XII f. 205a—214a, Bamberg. M. IV. 16 s. XIII f. 45 1 '—69*,zur Verwandtschaft der Hss. vgl. die Ausgabe von Burkhard p. VIII. Ausgabe (nach demBamberg.) von E. Holzinger, Nemesii Emeseni libri liegt cfvoeaig avöoümov versio latina,Leipzig u. Prag 1887, und besonders von C. Burkhard, Nemesii episcopi Premnon physiconsive .t«o( qn-oEois äv&gcö^ov liber a N. Alfano archiepiscopo Salerni translatus, Leipzig 1917(mit unzureichender Vorrede, was Alfanus betrifft); dort p. X f. die Literatur zur Uebersetzung.
Es würde vielleicht nicht zu viel behauptet sein, wenn man, einer Ver-mutung von L. Traube nachgehend, 5 ) endlich dem Alphanus die siebensapphischen Gedichte beilegte, die gewöhnlich dem Bertharius von MonteCassino zugeschrieben werden und die dem hl. Benedikt gewidmet sind. 6 )Denn erstens schließen sie sich nach ihrem Inhalt der Dichtung des Al-
l ) Ueber Varro zu Monte Cassino spricht [ pectus? ante ferae genuere tigrides, Gorgonci
Amatus in honorem Petri apost. 4, 1, 18 Etrir mirificus Yaro, quem fovet iste Casinus,Etplures de te scripseruntplura poete (Bullet,deli' istit. stör, italiano 7, 82); also Gedichtauf Rom?
-) 1276 D vulgare illttd proverbium: Quantoaltior gloria post triumphum, tanto inferiorignominia post ruinam. Vnde tibi tarn ferreum
aluere parentes, nach Verg. Aen. 4,366 f.
3 ) Hier begegnet das seltene Wort 1281 Cmetis nardostacheas spicas.
4 ) Von Burkhard unnötigerweise zuphy-sicon verändert.
5 ) PL. 3, 393.
6 ) Vgl. Bd. 1, 608 f.