Alphanus I. von Salerao. 629
auf Desider zurückgeht, dessen Namen er nur mit einem prosodischenFehler im Gedichte anführen könne. 1 ) Aus Rom kamen die Säulen, und dadie Künstler Italiens zu dem Werke nicht genügten, so wurden Baumeisteraus Thrazien verschrieben, die einen Bau vollführten, wie ihn Rom nichtherrlicher aufweisen kann. Weder das goldne Haus des Cyrus noch derTempel Salomos erglänzte so, und das Schloß Justinians hätte sich lieberdiesen Ort gewählt, der das schöne Fenster Gottes ist und dem Himmels-licht benachbart. Mit dem Wunsche an Benedikt, den Mönchen des Klostersden Weg zum Himmel zu eröffnen, und mit der Bitte an Gott, die frommeSchar von heute ebenso zu lieben wie früher, schließt das Gedicht, dasaus 43 fünfzeiligen Strophen von hyperkatalektischen daktylischen Trimeternbesteht. Der hohe rhythmische Schwung, der in diesem Verse liegt, machtdas Metrum besonders für ein stimmungsvolles Loblied auf das schöne alteMutterkloster geeignet.
Im Alter verfaßte Alphanus endlich ein polymetrisches Gedicht, eineBeichte in Gebetsform (33). Sie ist an Christus gerichtet und besteht derReihe nach aus 54 Distichen, 31 Hexametern, 27 Distichen, 118 Hexameternund 52 Distichen, also aus 415 Versen. In der ersten Abteilung von Distichenwird der Ruhm Christi, teilweise mit Aufzählung einer Menge von typischenBeiwörtern, gesungen. 2 ) Nachdem der Dichter dann vom Eintritt der Sündein die Welt gehandelt hat, kommt er Vs. 93 auf sich zu sprechen und bittetChristus, ihm den rechten Weg zu zeigen. Darauf führt er Christus Vs. 109selbst als Ankläger gegen sich ein, der ihm Vorwürfe wegen seines Lebens-wandels macht und ihn ermahnt, ein besseres Leben zu beginnen. 8 ) In denneuen Distichen richtet er sich wieder an Christus unter der Voraussetzung,daß dieser ihm seine Sünden vergeben habe, und erweist seine Heilstätig-keit an den Beispielen von Hiob und Salomo. Dann ergreift Vs. 194 Christuswieder das Wort in einer längeren Auseinandersetzung über die Sündhaftig-keit und Verderbnis der Menschen. Im letzten Teil des Gedichts findenwir wieder eine Apostrophe an Christus, mit dessen Namen die neunzehnersten Distichen im Hexameter beginnen, wobei die einzelnen Eigenschaftender Gottheit Christi berührt werden. Das ganze Weitere besteht aus An-rufungen und Bitten an die göttliche Macht des Erlösers. Zuletzt bittet derDichter für Desider und Monte Cassino und für alle Gläubigen. Das ganzeGedicht ist ein Gespräch zwischen dem Dichter und Christus, der um dieAbsolution gebeten wird, doch als Beichte betrachtet, ist es zu viel zudiffus und zu weit ausgesponnen und es macht einen stark rhetorischenEindruck.
Außer diesen größeren Poesien hat Alphanus mehrere kurze Gelegenheits-gedichte, Epitaphien, hinterlassen, nämlich auf den Kardinal Stephan, denBischof Atto von Teate 4 ) und zwei vornehme Laien, nämlich den Römer
') 24,3 Nominis usus et utproprii Postulat,anterior poterit Syllaba longa brevis fieri.
2 ) Vs. 31 —40 und 45 f. stehen sechs epana-leptische Distichen.
') Vs. 110 cum primo semper ab aevoUsque senectutem tantis impune vacares De-lictis beweist, daß das Gedicht im Alter ver-
faßt ist. Damit steht in merkwürdigem Gegen-satz die einführende Anrede 109 Desidiosepuer; dies setzt sich Vs. 194 mit den WortenIam dedisce, puer, puerilia verba fort.
*) Das Epitaph Attos ist nach Casin. 280richtiger abgedruckt in Bibliotheca Casinensis5,40 als bei Ughelli und Migne.