628 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
richtet ist, den Sohn des Grafen Berard und Neffen des Grafen Oderisius.Alphanus rühmt hier die hohe Abstammung Theodins und hebt seine Ge-schicklichkeit in der poetischen Darstellung wie in der Prosa hervor undsagt, daß er Rechtskenntnis, Musik und Astronomie gering achte, da erhöheres Wissen erstrebe und nach der Palme des Lebens greife. Diesewerde er mit Hilfe des Petrus erlangen und dann zu dem herrlichen Gattenkommen, den Benedikt pflege und der mit Wohlgerüchen angefüllt sei. 1 )Und hier werde er mit all den Brüdern von Monte Cassino zusammen-kommen, die Alphanus am Ende des Gedichts aufzählt. 2 )
Außerdem hat Alphanus sich in mehreren Gedichten auch über christ-lich-dogmatische Stoffe ausgelassen. In diesen Lehrgedichten in Predigtformwendet er sich an seinen Klerus oder auch an seine Gemeinde. Bier istzunächst ein längeres Stück über die Tugend der Demut und das Laster desStolzes zu erwähnen (18). das 17 fünfzeilige Strophen in jambischen Senarenenthält, die zuweilen wegen ihrer lockeren Prosodie als Rhythmen erscheinenkönnten, 3 ) aber jedenfalls metrisch gebaut sein sollen. Es stellt dar, daß die,welche mit Demut das Laster des Stolzes besiegt haben, in den Himmel ein-gehen und hier von den seligen Scharen begrüßt werden. Unter diesenwird auch Benedikt genannt, darauf dessen Schüler und Nachfolger, unterdenen zuletzt Desider hervorgehoben wird. Die Sprache des Gedichts unter-scheidet sich wesentlich von der Ausdrucksweise der früher besprochenenStücke, sie ist ganz auf den kirchlichen Ton eingestimmt. In 168 Hexameternrichtet sich ein Gedicht (31) an den Märtyrer Vincentius. Der erste Teil diesesStückes verwendet den Predigtton und der Dichter spricht hier zu seinerGemeinde, während er sich im weiteren Verlaufe mit dem hl. Vincentius be-schäftigt und dessen Martyrium im Anschluß an Prudentius erzählt. Dasfolgende Gedicht in 28 katalektischen anapästischen Dimetern (nach BoethiusCons. phil. 2, 5 oder 3,5) nennt sich Oda excitatira militibus Christi undstellt eine Aufforderung an die Christgeweihten dar, sich in den Kampfgegen die Welt und gegen deren Versuchungen zu stürzen; der Ausdruck isthier fast ganz der Bibel und ihren Auslegungen entnommen. Für den Rohmund Preis von Monte Cassino ist eins der wichtigsten Stücke der ganzenSammlung gedichtet (19). Es beginnt mit vier einleitenden Hexametern,die ganz im allgemeinen den Ort des Klosters preisen. Niemand, so fängtdas eigentliche Gedicht an, ist fähig, die Wohltaten zu rühmen, die derMensch Christus verdankt; weder ein Rhetor noch ein Philosoph vermagdas, sondern Gott allein. Als aber die Menschen der Sünde erlegen waren,hat ihnen Gott Stätten gegeben, das Unrecht zu sühnen. Eine solche istMonte Cassino, dessen Schönheiten zu besingen dem Dichter vergönnt seinmöge. So beschreibt er zunächst die Örtlichkeit. Wo früher ein Apollo-tempel stand, dort gründete Benedikt ein Kloster, und Alphanus geht nunbesonders darauf aus, die Pracht der Kirche hervorzuheben, die besonders
') Aehnliche, aber erweiterte Anffzäkhing Giesebrecht S. 49.derselben wie Carm. 2,7,1 ff. Ys. 87 rUe rem i *) So 3,1 Inenarramtfa äomimti est pitta*
narilus atmmmm deckt sich mit Fortunati I und 3 Spiritus mi emi^at imbitmemM. 16,*
€. 4,26,125 und 8, E, 237. j Landaus estm im ehoro et iifmpmmo.
*l Ys. 90—104, vgl. dazu die Noten von |