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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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626 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

ihn der Habsucht und des Geizes zeihen. Und wie er sich äußerlich durchSchönheit auszeichne, so besitze er auch die hervorragendsten Eigenschaftendes Geistes und er lasse alle andern Gelehrten hinter sich. Und Neapelmüsse dem gallischen Lande danken, das ihn dahin geschenkt habe. Miteiner Empfehlung Gosfrits an Paulus schließt das Gedicht, das zwölf Strophenzu je drei Versen besitzt, deren beide erste Asklepiadeen darstellen, währendder letzte ein Pherekrateus ist. 1 ) Zehn sapphische Strophen richtet Älphanusan den Bischof Atto von Teate. Er ermahnt ihn, andermal sein gegebenesWort zu halten, und bringt ihm sein früheres Versprechen auf eine scherz-hafte Weise bei (37). In einem Gedicht von gleichem Metrum wie N. 34wendet sich Älphanus an die Musen mit der Bitte, den jungen Transmund 2 )zu besingen, der die Irrtümer des Aristoteles und die stolze Sprache einesPlato fast in einem Monat durch seinen Fleiß widerlegte,und er sollvierzig Homilien durch Lesen im Gedächtnis behalten haben, und er kenntdas Epos Vergils seit seiner Kinderzeit besser, als die Sibylle ihre Bücher,die sie im Zorn verbrannte, als der Käufer sie zurückgewiesen hatte". ZumSchlüsse bittet der Dichter den Transmund, von solchen Studien ab-zulassen und Mönch zu werden, um die wahre Weisheit zu erlangen (38).Von größerem Interesse ist ein Gedicht an den Grammatiker Wilhelm, daes nämlich in seinen zwanzig sapphischen Strophen eine ausführlich er-zählte Tierfabel enthält.Ich habe dich früher als Knabe, sagt Älphanus,öfter nach cfer Tafel über das Mönehtum lachen sehen, das du nun so ver-teidigst, und du nanntest nur die Reichen glücklich, denen die Welt allesbietet. Aber zu diesen gehörtest du doch selber, da dir die Stadt Aversahohe Einnahmen verschaffte. Nun sage mir, aus welchem Grunde du Mönchgeworden bist. Die Welt umstrickt ihre Freunde mit Schlingen und beraubtdiejenigen, die sie erst gehätschelt hat. in einem Augenblick ihres Glückes.Das kannst du schon in alten Fabeln lesen. Der Fuchs riet einst demLöwen eine Reise übers Meer, um auch über die Ungeheuer des Wassersdie Herrschaft zu gewinnen. Auf dem hohen Meer verspürt der LöweHunger und er tötet den Bären und darauf seine andern Begleiter. DerFuchs aber, der noch allein übrig blieb, lügt ihm vor, er habe an der Küstetausend Hirsche gesehen. Da befiehlt der Löwe, dorthin zu steuern, undder Fuchs gelangt glücklich auf einen vorspringenden Felsen und ruft demLöwen zu: Ich möchte nicht Begleiter des Schiffsherrn sein, der die Schifferzum Frühstück verzehrt. So tötet die Welt ihre Anhänger; ihre stets zufürchtenden Geschenke überliefern die mit dem königlichen Purpur Ge-schmückten der Armut." Dieses Gedicht zeichnet sich durch eine besonderspoetische Sprache und lebendigen Ausdruck aus, freilich macht es hierbeibesonders viel Anleihen an den Ausdruck von Horaz und Juvenal, wiesich das auch sonst bei Älphanus zeigt. Eines der bedeutendsten Gedichteunsres Verfassers überhaupt richtet sich an den Kardinal Hildebrand, esist also vor 1073 verfaßt. Welcher Ruhm, heißt es hier, denen zufällt,die ihre Blicke nach der Staatslenkung richten, ist deiner Weisheit nicht

) Wohl nach Boeth. cons. phil. 2,2. Grafen Oderisius, vgl. Giesebrecht, De

s ) Transmund war wie Atto ein Soln des litteraram stndiis'apud Italos p. 44 f.