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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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544 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Vs. 1034, daß die venerische Stimulanz der Rauke den Ärzten wie vielenDichtern bekannt sei; das bezieht sich auf Horaz (Sat. 2,8,51), Martial(3,75,3) und Juvenal (9,134). Übrigens bezeugt jeder Abschnitt, daß dasganze Werk auf Quellenstudium beruht, denn überall liest man ein dicuntfertur und Ähnliches. Doch ist das Gedicht nicht nur sachlich, sondernauch sprachlich von Interesse, denn es besitzt eine große Anzahl seltenermeist griechischer Ausdrücke, die in den Wörterbüchern der lateinischenSprache fehlen. So hat man es denn auch bald häufig abgeschrieben undfrühzeitig kommentiert, wenn nicht Odo selbst noch die erklärenden Zu-sätze verfaßt hat, die sich in der Dresdener Handschrift finden. 1 ) Außer-dem hat das Gedicht in der Überlieferung mancherlei Zusätze und Aus-lassungan erfahren, ferner wurden manche seiner Abschnitte umgestelltund bei der weiten Verbreitung, die es erhielt, wurden einzelne Verse oderganze Abschnitte nicht selten von späteren Autoren angeführt. Endlichwurde das Gedicht zum Ausgangspunkt für die Aufzählung von Benennungender Pflanzennamen in den Volkssprachen und es hat auch zur Grundlagevon Übersetzungen gedient.

Mit der Erweiterung hängt nun aber noch ein Umstand zusammen.Es entzieht sich zunächst unsrer Kenntnis, warum Odo gerade die vonihm behandelten Pflanzen und Spezereien ausgewählt hat, denn es standenihm in seinen Quellen viele andere zu Gebote. So konnte es kommen, daßvon andrer Seite Abschnitte ähnlichen Inhalts hinzugefügt wurden, undeine solche Zudichtung in zwanzig Kapiteln hat sich erhalten. Hierin werdenallerdings nur elf Pflanzen behandelt, die weiteren Abschnitte sind anderenStoffen gewidmet. 2 ) Meiner Ansicht nach dürfte nun diese Erweiterungzeitlich ziemlich nahe an Odo heranzurücken sein. Denn erstens verwendetder Verfasser dieselben Quellen, indem er mehrfach Plinius benutzt undN. 7 ganz aus Gargilius und N. 4 und 5 bis zu Vs. 129 aus Dioskorides ab-schreibt. Hierzu kommt die große Übereinstimmung mit Odo im Wort-schatze wie auch in der Metrik. Und ich möchte daher glauben, daß etwaein Schüler Odos dessen Gedicht diese Erweiterung hinzugefügt hat, dieer ganz und gar im Geiste des Arztes von Meung verfaßte und wobei erauch die Reihenfolge von dessen Darstellungsweise beibehält.

Zeugnisse. Die Bezeichnung Macer ist dem Verfasser des Gedichts noch im 11. Jahr-hundert beigelegt worden, wie sich aus Sigeberts Schriftstellerkatalog und aus dem Ver-zeichnis von Blaubeuren ergibt (vgl. unten); sie läßt daraufschließen, daß man damals nocheine Erinnerung an den alten Aemilius Macer besaß. Sigebert sagt nämlich de Script, eccl. 13(ed. Miraeus, SS. eccles. p. 133) Macer scripsit metrico stilo librum de viribus herbarum.Mit Sigebert steht etwa auf gleicher Altersstufe der Vindob. 134 s. XI mit der Aufschriftf 3 opus Macri physici de viribus herbarum sowie die Aufschi ift aus Blaubeuren s. XI(Ende) bei Becker 74, 82 Nucer (lies Macer) de herbis. Die Bezeichnung Macer ist demVerfasser jedenfalls nach Catonis Dist. 2 praef. 2 quodsi mage nosse laboras Herbarum vires,Macer haec tibi carmina dicit gegeben worden. Der wirkliche Name wird bezeugt durchDresd. De 160 s. XII, wo das Gedicht (ohne Aufschrift) die Unterschrift hat Odonis Mag-dnnensis opusculum de naturis herbarum, sowie durch die Aufschrift aus Rievaux s. XIV

laudibus nuetor Asclepius; es ist wohl derbei J. Schott, Physica s. Hildegardis etc.(Straßburg 1533) im Anhang p. I-LXX1Xherausgegebene Esculapius medicus retustis-simus.

') Das ist aber nach dem Wortlaut einigerScholien nicht wahrscheinlich.

2 ) Nämlich fei, fimus, caseus, araneaetela, Cochleae, cornu cervi, acetum, sulphurvivum, alumen.