Odo^von Meung (Macer). 545
wenig wie für Justus auffinden können. Daraus aber dürfte sich ergeben,daß Odo entweder eine reichere Dioskoridesübersetzung oder die lateinischeVersion einer andern umfänglichen griechischen Quelle gekannt hat; dasgeht besonders daraus hervor, daß er Vs. 1164—1174 die ziemlich um-ständliche Bereitung des Senfpflasters erzählt, die der bei den römischenMedizinern doch nur wenig bekannte Menemachus angeordnet hatte. Daßaber Odo, wie E. Meyer will, soweit Griechisch gekonnt, daß er die grie-chischen Mediziner selbst gelesen habe, ist ohne weiteres ausgeschlossen,selbst wenn man in Betracht zieht, daß der Verfasser der Carm. spuria 5(Nymphaea) Vs. 122 die Worte radix nigra aus Dioskorides 3 PMF' (Ro-manische Forschungen 10 435) zu radix melaena gemacht, also tatsächlichgräzisiert hat, falls man nämlich annehmen wollte, daß Odo diese Ab-schnitte verfaßt hat; ohne Zweifel besaß Odo einige oberflächliche Kennt-nisse im Griechischen, sie ergaben sich aber wohl aus den zu Rate ge-zogenen Quellen selbst, die ja viel Griechisches enthalten, sowie aus grie-chisch-lateinischen Glossaren. Hierbei entsteht nämlich die Frage, ob erden Pseudo-Apuleius de herbis und die sogenannten Dynamidia gekannt hat,denn beide Werke, und besonders das erste, enthalten eine große Anzahlgriechischer Pflanzennamen neben den lateinischen Bezeichnungen und beideenthalten auch nicht wenig barbarische und volkstümliche Namen, wassich ja auch bei Odo findet. Der Vergleich hat nun ergeben, daß eine Be-nutzung beider Schriften durch Odo wenig wahrscheinlich ist, vielmehrist anzunehmen, daß Odo seine griechischen Pflanzennamen irgendeinembotanischen Lexikon oder Glossenwerk zu verdanken hat, während er dievolkstümlichen Bezeichnungen, die aus latinisierten romanischen Namenbestehen, wohl aus eigener Kenntnis hinzusetzt. Hierbei laufen, wie schonE. Meyer gesehen hat, 1 ) mehrere in früherer Zeit unbekannte Namenunter, die volkstümliche Formen darstellen. Daß Odo aber die Ausdrückeder medizinischen Terminologie beherrscht, die er übrigens vielfach in ihrerverderbten, spätrömischen Form verwendet, erklärt sich daraus, daß er,wie wir oben sahen, in der Spätmedizin durchaus zu Hause ist.
Zu den genannten kommen noch einige andere Quellen hinzu. Vs. 789 ff.spricht Odo über das Rosenöl und bemerkt Vs. 802ff., was Palladius dar-über sage; dies entspricht Pallad. 6, 15 (ed. Schmitt p. 168, 5—8). Undwenn er Vs. 775 sagt, daß die Rose mit Recht die Blume der Blumen ge-nannt werde, so geht das auf Walahfrid De cultura hortorum 401. Außerdemnennt er bei Gelegenheit des Liebstöckels diesen Dichter. Er sagt nämlichVs. 900, daß der Saft und der Geruch dieser Pflanze nach Strabus deniugen schädlich sei und daß man nach diesem Dichter nur den Samender Pflanze zu Gegengiften benutze; er wisse übrigens nicht, ob Strabusdies aus eigner Kenntnis oder nach den Berichten andrer gesagt habe.Das aber sei ihm bekannt, daß die Alten jene Pflanze mit hohem Lobbedächten und nirgends habe er etwas Ähnliches wie bei Strabus gelesen.An andrer Stelle 2 ) nimmt er auf die antike Poesie Bezug, denn er bemerkt
ergeben aber nichts für die beiden Stellen räum (elna), tnawella, paratella.bei Odo. 2 ) Vs. 549 f. spricht er von einem Asclepius
') a. a. 0. S. 433. Er nennt barrocus, eh- ; auctor, nämlich Anthemim tnagnis commendat