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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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542 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

nahmsweise und mit besondrer Hervorhebung. So sind die Rezepte eigentlichganz allgemein gehalten und lassen Genauigkeit ganz vermissen, ein Mangelder allerdings weniger dem Odo als seinen Quellen zur Last fällt. Mehr-fach werden erst die Arzneien aus der ganzen Pflanze oder aus der Blüteerwähnt, darauf folgen die Anwendungen der Wurzel oder auch die Er-wähnung des aus der Pflanze herzustellenden Pflasters. Aber auch der an-gebliche Nutzen pflanzlicher Amulette wird nicht verschwiegen, 1 ) und soergeben sich für die einzelnen Arten nicht wenig Nutzanwendungen. Freilichhängt die Zahl der Rezepte fast stets von Odos Quellen ab, denn das ganzeWerk ist durchaus aus älteren Quellen zusammengestellt. Von seinen Haupt-quellen nennt Odo nur den Plinius öfters, den er an zwanzig Stellen an-führt, aber viel häufiger benutzt. Er zieht den kurzen und wortarmen Textdes Plinius meist auseinander, hält sich auch nicht, wie er das übrigensauch sonst tut, an die Reihenfolge der Rezepte seines Vorbildes, sondernverstellt sie und arbeitet auch Stücke aus anderen Quellen dazwischen.Außerdem ist nicht immer mit Sicherheit zu entscheiden, ob Plinius selbstwirklich hierzu eingesehen ist, denn erstens kehren ja die Worte des Pli-nius bei Gargilius vielfach wieder, und zweitens ist die Anlage bei Ododerartig, daß dessen Benutzung eines den Plinius schon exzerpierendenWerkes nicht ausgeschlossen ist. Aus der Medicina des Gargilius Martialisstammen 26 Abschnitte fast ganz, wie schon von V. Rose nachgewiesenist. 2 ) Doch erwähnt Odo diese Hauptquelle nirgends, 3 ) schreibt aber regel-mäßig die von Gargilius angeführten Gewährsmänner mit ab. Bedeutendist auch die Benutzung des lateinischen Dioskorides, aus dem 38 Abschnitte(mit den Spuria) ganz oder teilweise stammen, und zwar dann so, daßPlinius oder Gargilius oder auch beide mit Stücken aus Dioskorides zu-sammengearbeitet sind. Seltsam ist hier nur, daß die beiden Stellen, andenen Odo diesen Autor nennt, 4 ) sich im gedruckten lateinischen Diosko-rides nicht finden, so daß man hier an eine reichere Vorlage denken müßte!Übrigens erstreckt sich die Benutzung nur auf Buch 1—4, das fünfte Buchhat Odo unberücksichtigt gelassen. Viel geringer ist die Verwendung desOribasius, der Vs. 506 und 2255 angeführt wird; beide Stellen finden sichin- der lateinischen Übersetzung. Aus diesen Quellen hat nun Odo eineganze Anzahl Autorennamen mit hinübergenommen, mit denen er seineDarstellung schmückt, ohne sie natürlich näher zu kennen. So werdenGalen 5 ) und Hippokrates öfters genannt, nur je einmal aber erscheinenPhilo, der Vs. 1812 aus Dioskorides genannt wird, 6 ) und Justus, der ausMarcellus Empiricus 7 ) und aus Oribasius 8 ) bekannt ist. Zweimal wird Mene-machus genannt, den auch Caelius Aurelianus acut. 2, 1,8 (ed. Amman p. 75)anführt; 9 ) doch habe ich die Quelle für beide Anführungen Odos ebenso-

') Nebenbei sei bemerkt, daß Vs. 1421 über [ 5 ) Natürlich in der Form Galienus.

den Nutzen der Osterluzei für das Austreiben | 6 ) Nämlich aus 4 PMT', Romanische For-

schungen 11, 66,1.

7 ) Nämlich de medic. 25, 32 ed. Helm-reich p. 251,20.

8 ) Oribas. Eupor. ed. Bussemaker etDaremberg 6, 299.

°) Diese wie die beiden Anführungen durchOribasius(ed. Coussera. etc. 2,72 f. und 417 ff. >

von Dämonen gehandelt wird.

2 ) Vgl. Plinii Secundi... una cum Gar-gilii Martialis medicina ... edita a V T al. Rose(Leipzig 1875) p. 131 f.

3 ) Vielleicht hatte die von ihm benutzteHs. keinen Namen des Autors.

4 ) Vs. 1103 und 1628 Zwiebel und Päonie)