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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Odo von Meung (Macer). 541

Fall. Odo tritt nämlich achtmal in dem Gedicht mehr oder weniger aus-führlich mit seiner eigenen Praxis hervor und spricht da aus Erfahrung.So unterrichtet er den Leser Vs. 631 ff. über die Nachgeburt, nachdem ersich über die günstige Wirkung der Polei hierfür geäußert hat. Fernerwarnt er im Anschluß an die Vorschriften des Menemachus über das Senf-pflaster Vs. 1175 seine Leser vor zu häufiger Anwendung dieses Mittels.Dann gibt er Vs. 1541 ff., nachdem er über die Heilwirkung der Haselwurzfür das Zwerchfell gesprochen hat, längere kasuistische Vorschriften überVomitive und schließt hieran ein eingehendes Rezept über die Haselwurz.Und bei Gelegenheit der weißen Nieswurz äußert er sich Vs. 1816 ff. dar-über, daß er trotz langen Suchens in den medizinischen Werken keineAngaben über die zu verabreichende Menge dieses Heilmittels gefundenhabe; an den andern Stellen 1 ) handelt es sich nur um kurze Angabendarüber, daß er das betreffende Rezept mit Erfolg ausprobiert habe oderum sonstige Kenntnisse. Man ersieht aus diesen Stellen, daß Odo medi-zinische Praxis ausübte und das Gedicht als Arzt zur Belehrung seinerKollegen schrieb, wie das einst Q. Serenus getan hatte. 2 ) Den Walahfrid,dessen Gedicht De cultura hortorum Odo kennt und anführt, hatte ent-schieden ein ästhetisches Interesse zur Abfassung seines reizenden Gedichtsgeführt. Davon ist aber bei Odo nichts zu spüren, bei ihm zeigt sich nurder Drang zur Belehrung, und sein Werk kann daher mit dem Walahfridskeinen Vergleich aushalten. Als Gedicht betrachtet ist es bei aller formalenReinheit trocken und nüchtern, es hätte ebensogut in Prosa geschriebenwerden können und es ist vollkommen schulmäßig. Allerdings besitzt eskein geringes sachliches Interesse, da sich mehrere Fragen daran knüpfen,die für die Überlieferung der älteren medizinischen und botanischen Li-teratur von Wichtigkeit sind.

Die Behandlung des Stoffes geschieht meist so, daß zuerst dem latei-nischen Namen der Pflanze der griechische zur Seite gestellt wird; mehr-fach gibt Odo auch den volkstümlichen, also romanischen Namen in latini-sierter Fonn, wie er überhaupt öfter auf Volkstümliches eingeht. Vielfachverbindet er außerdem mit dem Namen dessen Etymologie, die zuweilennatürlich und ungesucht ist, zuweilen antiken Quellen entstammt, häufigaber von der gekünstelten und gequälten Art Isidors ist. Indes werdendiese Etymologien meist gut vorgetragen, und man sieht, daß sich Odostets etwas dabei gedacht hat; denn wenn sie auch noch so bedenklicherscheinen, so hängen sie doch stets mit gewissen Eigenschaften der be-treffenden Pflanze zusammen. An zweiter Stelle erwähnt Odo fast durch-gehend die Grade der Trockenheit und der Wärme der Pflanze, von denendie alte Medizin vier unterschied und ihnen nicht geringe Bedeutung bei-maß. Darauf folgen nun meist vielfältige medizinische Rezepte, die aller-dings der Mehrzahl nach insofern unbedeutend und unvollständig sind, alsdie Apothekergewichte nicht beigesetzt werden. Das geschieht nur aus-

') Nämlich Vs. 851.904. 2053. 2200 f.; vgl. I daß Odo den Serenus benutzt hätte; möglich

auch 1175. ist, daß zu Vs.67 Seren. 1002 als Vorbild ge-

2 ) Vgl. Q. Sereni Lib. medicinalis 394. 401. dient hat.472. Ich habe keinen Anhalt dafür gefunden,