Froumund von Tegernsee. 523
habe er den Labeo 1 ) höher als den Plato gestellt. Aus dem Folgenden er-gibt sich, daß der Wormser ein gehässiges Gedicht auf Würzburg ge-schrieben hatte, 2 ) und es wird ihm mit scharfen Worten gesagt, daß dieWürzburger niemanden anzugreifen brauchten, wenn sie nicht gereiztwürden. Das Gedicht aber sei ohnehin ein schlechtes gewesen, da Prosodieund Rhythmus darin verletzt würden, und sein Verfasser möge aus einerFabel vom Frosche (Avian N. 6) die Belehrung des Fuchses annehmen;er sei jedenfalls klüger gewesen, wenn er geschwiegen hätte. 3 ) Zur Ab-wehr gegen den Angriff rufe Würzburg Christus, die Erzengel und dieHeiligen seiner Kirchen an, 4 ) und Sachsen, Bayern und Schwaben würdensich vereinen, um ihm zu helfen, während man in Worms die alten Heiden-götter zu Hilfe rufe, die doch keine Hilfe spenden könnten. Im Gegenteilwürden die himmlischen Heerscharen Würzburg beistehen. Der Dichterschildert dann sehr ausführlich die Niederlage der Wormser in dem Kampfeund rät ihnen, sich zu ergeben und die Waffen zu strecken und aus derreinen Quelle zu trinken, die ihnen Würzburg darbiete; denn zu siegenvermöchten sie nicht, auch wenn der Herr der Finsternis mit ihnen ver-bündet sei. Das Gedicht, dem der Schluß vielleicht fehlt, ist ungemeinlangatmig und Worms gegenüber in höchst siegesgewissem Tone ge-schrieben; es läßt deutlich erkennen, dafä die mächtig gewordenen Kirchenliterarische Fehden bezüglich ihrer Superiorität eingingen. — Die übrigenGedichte dieses späteren Teiles der Sammlung sind unbedeutend; es findensich hier zusammengestellte Aufschriften auf das Kreuz, einige Buchauf-schriften und ein Epitaph des Abtes Ellinger.
Zeugnisse. Zur freien Geburt Froumunds vgl. Gedicht 10, 2 Ultimus exclusus, cum nonsis patre reiectus; für weitere Familienverhältnisse vgl. Kempf S. 10 f., für Abstammung ausder Regensburger Diözese daselbst 11—15. Den Aufenthalt in Köln beweist der Wallersteinensisin Maihingen 1, 2 4° N. 3 s. X mit den Widmungsversen Hunc ego Froumundus librum ecceColoniae scripsi Atque huc devexi; tibi, sancte Quirine, decrevi b ) und die genaue Angabe inder Unterschrift in den Priscianglo?sen des Vindob. 114 Explicit glossema libri X mi in mona-sterio phyuhticangensi a qtiinto Ubro usque huc conscripsi ego Froumundus. Sed primumsecundum Ill um et quartum Colonie in monasterio sancti Pantaleymonis. Deus addat et aliosqui sequicnter ut sibi placet. Zu den Randnotizen und Sonstigem in der Maihinger Hs. vgl.Schepss, Neues Archiv 9,173—194. Zu den Auszügen aus den Gesta Apollonii auch Bd. 1,615: auch in die Gedichte Froumunds (z. B. 27,5 pronostinus) sind einzelne Worte aus diesemGedichte übergegangen. Die zweite Boethiushs. wird erwähnt in Brief 17 der Sammlung(Seiler, Ztschr. f. d. Philol. S. 388) = 16 bei Migne 141, 1290D Librum Boetii vestro brevia nie vobis petivistis prestari, cuius libros propria manu duos conscripsi pleniterque ut putoglossica conscriptione depinxi; quorum alterum mecum retinui, alterum Augusta Vindelicareliqvi, simulque librum Iuvenalis et Persii pro commutatione Arithmeticae Boetii in quaipse ob gratiam vestri non modicum conscripsistis, pro libroque invectivarum Tullii Ciceronisin Sallustium. Quos libros mihi prestitos cum remitto nostrosque recipio iussu vestro voluntariesatisfacio. 6 ) Zum Fragment der griechischen Grammatik vgl. Kernpfa. a. 0. S. 18. zur Kenntnisdes Griechischen bei Froumund vgl. oben. Zum Aufenthalt in Würzburg vgl. Brief 3 (= Migne 3col. 1285) und Schepss, Ztschr. f. deutsche Phil. 15, 429 sowie Kempf S. 19 f. Zur SendungWigos und Froumunds nach Feuchtwangen Kempf S. 20—25. Von Wigo, Dekan in Feucht-wangen, haben sich in Froumunds Sammlung dreizehn Briefe erhalten, 7 ) am besten gedruckt
1 ) Ist das Vorbild des dichterischen Stüm-pers aus Persius 1,4 (Schepss a. a. 0. S. 430).
2 ) Vs. 102 Quatinus in pena sis proptertale poema.
3 ) Nach Boetbius Cons. phil. 2,7 p. 46.72 f.
4 ) Vgl.hierzu Schepss,Ztschr.f. deutschePiniol. 15, 423.
°) Vgl. Schepss, Hdschr. Studien zu
Boethius S. 8.
6 ) Vgl. hierzu Schepss, Hdschr. Studienzu Boethius S. 10—12.
7 ) Pez, Thesaur. anecdot. 6, 110 ff. hattedreizehn gedruckt. Steichele hatte einen wei-teren gefunden, aber den Brief 7 (N. 8 der ganzenSammlung) richtig dem Froumund zuerteilt.Migne 137,9—16 druckt Pez' Ausgabe ab.