522 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
nicht aufweisen, und trotz Kempfs vielfacher Lobeserhebungen 1 ) bleibt ermehr oder weniger ein Schuldichter, dessen Poesien eine sehr angreifbareForm aufweisen.
In den Gedichten wie in den Briefen fallen verschiedene Streiflichterauf Froumunds Lehrtätigkeit in Tegernsee und die seiner Zeitgenossen,und hier zeigt sich, daß man besonders darauf ausging, Bücher zur Ab-schrift zu erlangen, die dem eigenen Kloster fehlten, aber auch Bücheranderen zur Abschrift zu leihen. Hierbei handelt es sich neben schon früherErwähntem um Horaz, Persius, Statius und die Briefe Ciceros, und zwarwerden sie meist erbeten bei dem Mönch Reginbald von St. Emmeram, 2 )mit dem Froumund in häufigem Briefwechsel stand. Außerdem fällt in denRahmen von Froumunds Schultätigkeit die Abschrift, die er vom Kommentardes Remigius zum Paschale Carmen des Sedulius 3 ) nahm; sie ist heute'Monac. 19456 und hat die Unterschrift: Ich, Froumund habe diese Hand-schrift zu schreiben begonnen; vollendet haben sie meine Schüler untermeiner Aufsicht. Die von Froumund angelegte Brief Sammlung bricht nunmit dem 93. Stücke ab, und es ist sehr wahrscheinlich, daß FroumundsAnteil an dieser Korrespondenz nicht viel weiter reichte. Sie ist aberspäter fortgeführt worden und man hat auch, wie früher, Gedichte darinaufgenommen. Froumund selbst aber dürfte nach der Untersuchung vonKempf das Jahr 1008 nicht lange überlebt haben, 4 ) wodurch seine Autor-schaft der im späteren Teil der Briefsammlung enthaltenen Gedichte ohneweiteres wegfällt.
Ich schließe gleich hier einige Bemerkungen über diese Gedichte an.Wahrscheinlich gehören N. 38 und 39 in gleiche Umgebung und sind nach 39,17 f. in Würzburg verfaßt und zwar wohl im Jahre 1014 oder 1022, alsHeinrich II. von Rom zurückkehrte. Denn beide sind an den Kaiser ge-richtet und das erste, das auf ein Lobgedicht auf die christlichen TugendenHeinrichs hinausläuft, beschäftigt sich mit mystischen Spielereien über dieVier- und Zweizahl, die Heinrich als Herzog und als Kaiser zukam, währendN. 39 ein Beglückwünschungsgedicht darstellt, das in neun Distichen vonder Spielerei der Epanalepsis Gebrauch macht. 5 ) Von größerem Interesseist N. 43, das mit einem begeisterten Lob auf Würzburg beginnt, indemallen geistig Gebrechlichen der hiesige Aufenthalt geraten wird im Gegen-satz zu der medizinischen Heilkraft, die der Name der Stadt (Herbipolis)anzeige. Hierauf wird der Bischof (wahrscheinlich Mainhard 1018—1034)gepriesen als das Vorbild der Tugend, als Säule der Kirche und als Dichter,nachdem Worms 6 ) aufgefordert worden ist, seine Schüler nach Würzburgzu senden. Hier in Würzburg sei alle Vollkommenheit anzutreffen und alleLernbegierigen strömten dahin, und wenn daher ein junger Kleriker inWorms es gewagt habe, seine Stadt höher zu stellen als Würzburg, so
») a. a, O. S. 60—65.
2 ) Vgl. Kempf a. a. 0. S. 55.
3 ) Dies Werk befand sich saec. X in St.Emmeram; vielleicht hat Froumund es vondort entlehnt (vgl. Becker 42,472. 44.57).
4 ) a. a. 0. S. 47—51.
6 ) Sie war durch den sogenannten Hym-nus I des Sedulius besonders bekannt.
6 ) DafiVs. 15 Vuangia nicht Feuchtwangensein kann, ergibt sich aus den dortigen Ver-hältnissen (vgl. Kempf a. a. 0. S. 26 f.),Schepss, Ztschr. f. deutsche Piniol. 15,30.