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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Froumund von Tegernsee. 521

von den Bergen kommen und von den Felsen herab mag alles wilde Ge-tier zuschauen, die stammentsproßnen Bäume des Waldes mögen ihre Moos-kleider ablegen und Purpurgewand anziehen und die waldbewohnendenFaune mögen ihren Thyrsus schwingen. Ein weiteres Begrüßungsgedichtan den Herzog ist N. 18, während Froumund in N. 17 den Fortgang Hein-richs beklagt. An den zurückkehrenden Herzog ist endlich N. 20 gerichtet,das bald nach dessen Hochzeit entstand und in dem der Dichter den Herzogals Bringer des Friedens und als Besieger der Feinde preist und ihm Nach-kommenschaft wünscht. Außerdem sind zwei Stücke zu erwähnen, die inihrer Form im höchsten Maße gekünstelt sind. So N. 5, das als Akro-,dreifaches Meso- und Telestichon den Vers Sollertes et constantes etmaxime eunetos besitzt und meist aus sinnlos nebeneinander gestelltenWorten besteht, und N. 36, dessen Akro- und Telestichon wie erstenund letzten Vers die Worte Insontes domini nobis suecurrite saneti bildenund das den Tod der Unschuldigen Kindlein behandelt; um die Unverständ-lichkeit noch zu erhöhen, hat Froumund in beide Gedichte griechischeWorte, in N. 36 sogar einen griechischen Hexameter hineingeflickt, 1 ) eindeutliches Zeichen von gelehrter Schulweisheit. Es zeigen sich übrigensauch sonst Spuren vom Griechischen in den Gedichten und noch mehr imKommentar zu Boethius, und es ist, wenn man bedenkt, daß in dem vonFroumund geschriebenen Vindob. 114 ein Fragment einer griechischen Gram-matik überliefert wird, nicht abzuweisen, daß unser Mönch in Köln etwasGriechisch gelernt hat. 2 )

Überblickt man nun seine Dichtungen im allgemeinen, so muß mansagen, daß ein nicht geringer Teil nur seinem Schulmeisteramt das Daseinverdankt und also nach der Schule schmeckt. 3 ) Andere wieder sind alsßelegenheitsdichtungen entstanden, indem man ihm von Seiten des Klostersdie poetische Begrüßung von Fürsten auftrug und ihn um das Abfassenvon Grabschriften bat. In manchen Stücken aber verrät sich eine gewisseVeranlagung zur Dichtkunst, indem hier eine nicht gewöhnliche Beobachtungder Natur, der Menschen und ihres Lebens, besonders ihrer Schwächen,und der Verhältnisse und der Dinge hervortritt. Freilich ist die Phantasieöfters schrankenlos und die vielfach hübschen, auch witzigen Einfälle werdendurch eine gesuchte, zuweilen abstrus gelehrte Sprache nicht wenig gedrückt.Dazu kommt öfters eine ganz unverständliche Dunkelheit des Ausdrucksund der bei einem Lehrer doch seltsame Mangel an grammatischer Bildung.Und dem dichterischen Genüsse stellt sich auch die prosodisch und metrischrecht fehlerhafte Form der Gedichte entgegen. Soviel steht fest, daßman früher dem Dichter des liuodlieb sehr unrecht getan hat, wenn manihn mit Froumund identifizierte; wohl besitzen Froumunds Dichtungen dieMängel, die im Ruodlieb entgegentreten, aber dessen Vorzüge kann er

') N. 5, 8 adelfe, 15 HCVS (= Jesus),26 dexia, 31 oufdnou: N. 36, 22 Cosmica,29 Eudochias osoplon stephanosas KyrrieChrista. Vgl. außerdem 2, 16 Ecce dülos cet-cosque. 13,3 Litera si abfuerit, quam sim-mam Grecia dicit. In der Zusammenstellungvon Kempf a. a. 0. S. 57 sind sehr viele

Worte aufgeführt, die längst als im Lateineingebürgerte Lehnworte zu gelten haben.

*) Zur Kenntnis des Griechischen vgl.Schepss, Hdschr. Studien S. 1922.

3 ) Das leugnet Kempf S. 62 geradezu.Man vgl. aber N. 5. 6.16. 22 f. 28. 30. 31. 36.