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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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520 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Orpheus und Eurydice 1 ) oder witzige Stücke verfertigt hätte, dann würde manüber ihn gelacht haben. Und so ruft er am Schluß alle seine Schüler zu-sammen, besonders den Bruder Georgius, der der Schule wegen aus derFremde gekommen war: alle sollen dem Abt Heil und Segen wünschen.Froumund beklagt in diesem Gedicht Vs. 45, daß die die Wahrheit sprechendeZunge mehr gelte als die Lügenzunge, und doch war es ihm auch gegeben,Scherz und Witz im Gedicht vorzubringen und unter Umständen rechtkräftig aufzutreten. Wie er z. B. in N. 4 den Vestiarius des Klosters, derdie nötige Winterkleidung nicht hergab, in einen Eber zu verwandelnwünscht, um ihm das Fell abzuziehen, das er als Pelz gebrauchen wolle,um sich dann mit dem Fett die Beine gegen die Kälte einzureiben. 2 ) Oderwie er in N. 11 übertreibend über den Mönch Gerhard herfällt, der kürzlicheinen Stein nach einem Schüler warf und ihn beinahe getroffen hätte.Oder in einer Invektive auf einen Cuculus sine pennis in N. 19, mit demer um die Wette dichten will; Froumund will als zweiter Orpheus er-scheinen und Gitto 3 ) soll, behängt mit zerrissenen Schuhen, auftreten undmit ihm ein Heer von singenden Zwergen, sodann Sigihard, begleitet vonseinen Freunden, alle sollen einen Angriff gegen den Cuculus machen, undist dieser gelungen, dann möge der Neger mit weißen Zähnen darüberlachen, ein weißer Rabe sein Krächzen erschallen lassen und die Maul-würfe werden vor Verwunderung in die Pfoten klatschen und die Vögelihn kreischend auslachen. 4 ) Scharf und persönlich wird Froumund in demGedicht 35 an Meginhalm, der als der größte Tor hingestellt wird (4 stultiores cueulo) und von dem es am Ende mit Benutzung der Worte des Löwenin der Fabel Avians (5, 18) heißt: Und der Meginhalm, der du mir warst,wirst du mir immer sein. 5 ) Sonst finden wir in der Sammlung Frou-mund hat in die von ihm angelegte Briefsammlung 36 seiner Gedichte auf-genommen hauptsächlich Begrüßungen sämtlicher oder einzelner Brüder,Epitaphien und Aufschriften (N. 34 auf seinen Löffel), auch wie N. 16Monosticha auf die Apostel und Christus. Einige Gedichte sind lediglichrecht unbedeutende und schulmäßig gedachte Paraphrasen biblischer Stellen,wie N. 28 über Luc. 7, 1116, N. 30 über Luc. 14, 16 und N. 31 überMatth. 9, 18, aber, wie ich hier gegen Schepss 6 ) ausdrücklich bemerke,ohne nur in etwas an die gewandte Versifizierung eines Sedulius (undJuvencus) zu erinnern. Sonst haben einige Stücke ein gewisses geschicht-liches Interesse. So N. 1A an Herzog Heinrich von Bayern, wo Froumunddie Aufforderung ergehen läßt, alles soll kommen, um den Fürsten zu be-grüßen, Jünglinge und Greise; 7 ) die Kinder sollen auf den Hecken sitzenoder auf die Dächer steigen, die Hirsche mit ihrem Gabelgeweih mögen

) Es ist hiernach nicht etwa an wirkliche dilecto pariterque nepoti, Pigriciam ut pellat,

Dramen, sondern an Schuldeklamationen mitmimischer Beihilfe zu denken.

2 ) So bittet er in Gedicht S um Pelz-stiefeln für den harten Winter.

3 ) Vgl. hierzu Schepss, Ztschr. f.deutschePiniol. 15,422 N.Xi (daselbst auch über Sigi-hard).

4 ) Das Gedicht schließt Vs. 40 f. (Seilerp. 419) mit den Worten Hoc recini mihi

per saecula ludere discat.

5 ) Et mihi qui quondam semper eris Megin-halm.

6 ) Ztschr. f. deutsche Philol. 15.423 N. XIV.Der einzige Anklang an Sedulius (14,2 pha-risea manus Pasch. Carm. 4, 238) kann zu-fällig sein.

') Vs. 15 si/icerni stammt aus Fulgentius(ed. Helm 114,6).