Froumund von Tegernsee. 519
wofür er sich die Arithmetik des Boethius und die Invektiven des Ciceroauf Sallust ausbat. Beide Schriften scheint er sich zur Abschrift erbetenzu haben, denn im Monac. 18764 s. X 1 ) hat sich seine Abschrift der Arith-metik erhalten, und er wurde später wohl vom Bibliothekar in Tegernseeaufgefordert, den Büchertausch wieder rückgängig zu machen. 2 ) In Feucht-wangen schrieb nun Froumund die Glossen zum 6. bis 10. Buch Prisciansund mit dieser Arbeit steht wohl seine Bitte an Liutold in Zusammenhang,die sich allerdings auch daraus erklären dürfte, daß ihm Abt Gozbert einigeSchüler zur Ausbildung dorthin sandte. Besonders wichtig aber war, daßFroumund hier eine große Briefsammlung anzulegen begann, die wohl alsMustersammlung für künftigen Bedarf gelten sollte und die er später inTegernsee fortsetzte. Sie ist chronologisch angelegt und gibt eine reicheFülle von Belehrung über die wissenschaftlichen Zustände in den bayerischen .Klöstern für jene Zeit. Wahrscheinlich wurden aber Wigo und Froumundum 996 von Gozbert nach Tegernsee zurückberufen, da sich das KlosterFeuchtwangen nicht halten konnte, wie Kempf zu erweisen gesucht hat. 3 )Fortan gab er sich zu Tegernsee besonders der Lehrtätigkeit hin, dochwurde er auch zur Erledigung der Klosterkorrespondenz benützt, und daer eine vielseitige geistige Begabung besaß, verwendete man ihn, der gernGedichte verfaßte, bei besonderen Gelegenheiten auch als Klosterdichter.Noch war er nicht der Presbyterweihe teilhaftig worden und als man ihndarum befragte, antwortete er den neugierigen Brüdern in Gedicht 10, daßes sein höchstes Ziel sei, selbst zu lernen und andere zu lehren; höherhinaus wolle er nicht. Erst unter Abt Peringer und zwar, wie es scheint,im Jahre 1005, hat er die Priesterweihe erhalten. 4 ) Damals war Gozbert,der Freund Froumunds, schon vier Jahre tot, und es war dem Kloster nichtgelungen, die freie Abtswahl von Herzog Heinrich, dem späteren Heinrich IL,zu erhalten. Wir wissen aus dem 20. Gedichte Froumunds, daß sich Hein-rich bald nach seiner Vermählung (zwischen 998 und 1000) dem Klostergegenüber insofern scharf gezeigt hatte, als er eine Abordnung des Klostersnicht empfangen wollte. 5 ) Aber Froumunds Verhältnis zu dem neuen AbteGothard blieb das frühere und wir finden ihn in Gedicht 21 auf Reisenmit dem Abt begriffen. Nach Gothards frühem Weggang scheint aber seineStellung unter Abt Eberhard wesentlich gelitten zu haben, er erwähnt ihnin keinem Gedicht. Erst unter Peringer (seit 22. Juli 1003) konnte er seineguten Beziehungen zum Abte wiederherstellen und er begrüßt ihn in Ge-dicht 32 auf das lebhafteste. Er erwähnt hier, daß Peringer zürne, weilweder die Schüler noch Froumund ihm bisher einen guten Vers gewidmethätten, und dabei gibt er einen Rückblick auf seine Tätigkeit als Schul-meister und beklagt, daß sie vielfach vergeblich gewesen sei. Besser wärees gewesen, wenn er allerhand Mummenschanz getrieben oder Dramen wie
') Fol. 3—78, am Ende Hirne librum Frou- j 3 ) Froumund von Tegernsee S. 25 ff.
mund et scripsi et scribere feci. 4 ) Vgl. Kempf a. a. O. S. 45 f.
2 ) In Brief 17 (Migne 141, 1290D, hier | •"■) Vgl. die Ausgabe von Seiler, Ztschr.
N. 16). Der Adressat P. kann nicht Abt Pe- ! f. deutsche Phil. 14,420 Vs. 40 Ecce repente
vinger gewesen sein, vgl. Schepss, Hdschr. ' ruit tonitrus velut ethere misstis . .. 53 17
Stud. zu Boethius S. 11. mülo lieuit cernere quem vohiit; Kempf S. 36.