Froumund von Tegernsee. 517
(Sammelband; hier mit der Überschrift Planctus Leonis episcopi). 1 ) Aus-gaben von Dümmler (vgl. oben) und Bloch a. a. 0. S. 119—121. Zur Be-nutzung in den Gesta episc. Virdun. (MG. SS. 4, 45 f.) vgl. oben S. 356 f.
4. Metrum Leonis. Das Gedicht, das nur fragmentarisch erhaltenist — es ist in acht Spalten geschrieben, deren Anfänge unleserlich sind —bestand aus etwa 450 adonischen Versen. Diese Versart ist im Mittelalternicht selten, sie wird allerdings zu einem ins epische Gebiet fallendenGedichte, wie das unsrige, kaum benutzt. 2 ) Das Gedicht erscheint nachv. Winterfeld 3 ) als ein Geschenk, das Leo in den festlichen Saturnalien-tagen im Dezember — die Wiederbelebung des alten Festes könnte mitden Neigungen Ottos III. für das antike Leben zusammenhängen — demUgo darbringt. Man würde dann den Adressaten mit dem am 21. Dezember1001 verstorbenen Markgrafen Hugo von Tuscien zu identifizieren haben,und diese Gabe an ihn müßte also noch in Ottos III. Zeit fallen. Vielleichtwill Leo in dem Gedichte die Untreue der Italiener dem Hugo in einerkräftigen und zugleich humorvollen Allegorie vor Augen stellen, dennBloch 4 ) hat wohl richtig erkannt, daß die Untreue des Wolfes den Mittel-punkt der ganzen Erzählung bildet, um den sich alle weiteren vorgebrachtenTatsachen gruppieren. Es wäre daher möglich, wie ich schon angedeutethabe, daß man die widrigen Schicksale des Dichters, die den Eingangbilden und auf die am Schluß wieder angespielt wird, als eine humoristischgefärbte und nur hypothetisch vorgetragene Übertreibung auffaßt. DieFabel vom Esel in der Löwenhaut bildet nur den Anfang einer größerenFabel, in der der Wolf, zum Bürgen des Esels vom Fuchs vorgeschlagen,den Esel auffrißt und dann vom Löwen die verdiente Strafe empfängt,woran sich ein festliches Mahl der Tiere anschließt. Wahrscheinlich hatLeo für sein Gedicht die ziemlich weitverzweigte Gesamtfabel vorgefundenund für seine Zwecke sich dienstbar gemacht. Der Stil des Gedichts erinnertin seiner gedrungenen Kürze, die hier durch das Metrum von selbst erzeugtwird, sehr an die besprochenen poetischen Versuche Leos, mit dessen erstemauch die Anwendung eines Refrains übereinstimmt, der übrigens hier vonSp. 2, 59 an einem zweiten Refrain Platz macht. Ebenso tritt hier der Reimhäufig auf, während ihn die Rhythmen fast durchgängig zeigen. So sind esneben den von Bloch 5 ) aufgezeigten innerlichen Gründen auch äußere, diedie Zuerteilung des Gedichts an Leo als berechtigt erscheinen lassen. Erhaltenhat sich das Gedicht im Vercell. capit. LXXXII als Eintrag s. X—XI auf demvorletzten Blatt. Ausgabe von Bloch, Neues Archiv 22, 127—133.
89. Froumund von Tegernsee.
Froumund ist um das Jahr 960 geboren") und stammte aus freiemund angesehenem Geschlechte, das vielleicht in der Regensburger Diözeseangesessen war. Unter Abt Gozbert weilte er als junger Mönch in Tegern-
') Vgl. O.Hartwig, Neues Archiv 8,382. I r> ) Neues Archiv 22,124 f. 27,754.2 ) Miillenhoff und Scherer, Denk- | 6 ) So Sehepss, Ztschr. f. deutsche Ph lol.
mäler deutscher Poesie und Prosa 3 2, 127. 15,422 zu IX. Das Jahr 965 etwa nimmt
s ) Neues Archiv 27, 754. Kempf, Froumund von Tegernsee (München
4 ) Neues Archiv 22,123. 1900) S. 10 an.