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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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512 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Verhandlungen zu Rom tätig, und so sehr war Leo von der Einigkeit, diezwischen dem Kaiser und dem eben von ihm zurückgeführten PapsteGregor "V. herrschte, eingenommen und von den phantastischen PlänenOttos III. begeistert, daß er etwa zu gleicher Zeit ein rhythmisches Ge-dicht auf beide schrieb, in dem er den Papst unmittelbar anredet und aufseine Vertreibung aus Rom wie auf die Bestrafung der Rebellen deutlichanspielt; mit hohen Worten preist er die gemeinsame Weltherrschaft desKaisers und Papstes. Dies Gedicht beweist auf das deutlichste, daß erOtto III. schon sehr nahe stand und von seinen Plänen Kenntnis hatte;auch die Erhebung Gerberts zum Erzbischof von Ravenna, die kurz: vorhererfolgt war, wird nicht vergessen und der Einfluß des großen Gelehrtenund Staatmannes auf den Papst hervorgehoben. Bald darauf muß Leo vomKaiser das Bistum Vercelli erhalten haben, 1 ) nachdem man ihn schon früherdenHofbischof" genannt hatte. Hierzu wurde ihm bald darauf ä ) der TitelLogotheta gegeben, der etwa dem lateinischen Summus consiliarius ent-spricht und den bedeutet, der auf die Politik des Kaisers maßgebendenEinfluß besitzt und in engster Verbindung mit der kaiserlichen Kanzleisteht. Und das war bloß eine Anerkennung der Tatsachen, denn H. Blochhat nachgewiesen, daß Leo seit 998 an der Reichsgesetzgebung wie amUrkundenwesen tätigen Anteil genommen hat. Es ist daher nicht zu ver-wundern, daß er mit allen bedeutenden Männern, die die Träger der kaiser-lichen Politik waren, in nahem persönlichem Verhältnis stand. Und wie erin die Absichten des Kaisers eingeweiht war, erkennt man sehr deutlichaus einer Urkunde, die er für sein Bistum Vercelli verfaßte; dort sprichter für den Kaiser,daß sein Reich blühe, sein Heer triumphiere, die Machtdes römischen Volkes ausgebreitet und die Republik hergestellt werde, damiter als Gast auf dieser Erde in Ehren leben, zu höherer Ehre aber sichaus den Banden dieses Fleisches gen Himmel aufschwingen und an derSeite des Herrn im höchsten Ehrenglanze herrschen dürfe". 3 ) Auch beiden Kapitularien ist Leo hervorragend tätig gewesen, aber das wichtigsteDenkmal dieser öffentlichen Wirksamkeit ist eine vom Kaiser dem neuenPapst Silvester II. ausgestellte Urkunde vom Jahre 1001, die von Leo ver-faßt ist. Es handelt sich hier um acht Grafschaften, die schon Gregor V.beansprucht hatte, die aber Otto III. erst jetzt aus freiem Entschlüsse,aus Liebe zu Petrus und zum Papst, der römischen Kirche überträgt; dementspricht der seltsame Eingang Otto seriws apostolorum, der hierfür vonLeo jedenfalls erfunden worden ist. Aber der Kaiser spricht in dieser Ur-kunde im vollsten Machtgefühl dem Papste gegenüber, indem er erklärt,daß frühere Päpste einen Einbruch in den Machtbereich der Kaiser ge-macht hätten, und indem er die Schenkung Konstantins und die einesge-wissen Karl" als Fälschungen hinstellt; er der Kaiser stehe über dem Papst,

') Es geschah nach H. Bloch (Neues Ar-chiv 22,79 ff.) zwischen dem Frühling von998 und dem 1. Mai 999.

2 ) Der Titel wurde ihm nach H. Bloch(Neues Archiv 22,8589) zwischen Oktober998 und Oktober 999 beigelegt.

J ) Die Uebersetzung aus MG. Die Urkun-den der deutschen Könige und Kaiser (Bd. 2Otto III. N. 324) nach Giesebrecht, Gesch.d. deutsch. Kaiserzeit 5 1, 723 und H. Bloch,Neues Archiv 22, 91.